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Die traditionelle europäische Naturheilkunde betrachtet die flüssigen Bestandteile des Körpers (= fluidas/humores) als primäre Grundlage des physiologischen und pathophysiologischen Wissens. Erfahren Sie mehr.


Humoralmedizin

Was ist Humoralmedizin, welche Nützen hat es und welche Vorteile hat sie?

In der heutigen Zeit ist es durch die viele Informationen einzelne Therapien für eine Laie sehr schwierig um zu bestimmen was er braucht um seine Gesundheit aufrecht zu erhalten, und auch wenn es Probleme gibt ist es sehr schwierig eine passende Therapie zu finden.
Dazu kommt das immer mehr eine Selbstverantwortung nötig ist um Analysen an zu setzen und selber die Auswertungen zu verstehen und zu überprüfen. Dies letzte ist sehr wichtig da das Sanitätspersonal überbelastet ist, und eine gründliche Analyse mit eine richtige zutreffender und ursächliche Diagnose immer mehr in die Ecker gelangt.
Wenn es aber keine richtige Diagnose gibt ist eine erfolgreiche Behandlungsansatz selten.
Zu mehr ist es sehr wichtig der Person in seinen Gesamt zu betrachten und dem entsprechend ganzheitlich zu behandeln. Die Vorteile davon sind das man nicht nur alleine auf Organebene schaut und Therapie macht, aber viel mehr der gesamte Organismus und der Person in seine ganze psycho-somatischen Verfassung betrachtet und so ein ganzheitliche Behandlungsansatz einstellt und genau das an der Person gibt was er in diese psycho-somatische Gesamtfassung braucht.

Der Humoralmedizin liegt als primäre Grundlage einer physiologischen und pathophysiologischen Erkenntnisursache die flüssigen Körperbestandteile (= Fluidas/Humores) zu Grunde.

Die festen Körperbestandteile (= Solidas) spielen dabei eine sekundäre Rolle und wurden erst später in dieses System integriert, ohne jedoch dem Konzept der Vier-Säftelehre jemals an der erste Stelle streitig gemacht zu haben.

Der flüssige Mensch besteht aus 4 hauptsächlichen Säften die ihre Quellen in 4 Hauptorganen haben (siehe Vierer-Schema Galens). Der feste Mensch ist Produkt der wärmevermittelten, „eingedickten» Säfte. Jede Störung, mit Ausnahme von Unfällen und Gewalteinwirkungen, hat seinen Ursprung in den flüssigen Anteilen des Menschen. Diese Erkenntnis unterscheidet die Humoralpathologie (Krankheit geht von den Säften/Flüssigkeiten aus) von der Solidarpathologie (Krankheit geht von den festen Körperteilen/Organe) aus.

Ein auf humorale Gedankengänge als Grundlage physiologischer und pathologischer Vorgänge beruhende System findet sich prinzipiell in allen frühen Hochkulturen in ihrer entsprechenden eigenen Formulierungen!

Der Humoralmedizin, ein Hauptbestandteil der traditionelle Europäische Medizin (TEN), gibt die Möglichkeit durch einfache Betrachtung der Körpermerkmalen zu überprüfen und der Person in seiner psychosomatische Gesamtfassung zu erfassen. Das Vorteil was sich hieraus ergibt ist das einen mehr ursächliche Hilfe geboten werden kann die zudem auch noch komplett natürlich ist. Der Humoralmedizin arbeitet mit natürliche Therapien, und dies ist viel umfassender ist als nur Ausleiten. Es geht in der Humoralmedizin darum der Person eine Unterstützung zu geben die Ihm bekannt und vertraut macht mit der Naturgesetze, seine Körpereigene Naturheilkraft zu optimieren mit positive Auswirkungen auf seinem psychosomatische Erscheinung.
Dazu gilt es gemäss der Humoralmedizin eine Lebensweise (= Diäthetik; von griegisch diaita) zu führen die in Harmonie mit den Naturrhythmen sind.

Da diese Naturgesetze und Naturrhythmen nicht schwierig sind zum Verstehen und deren Anwendung einfach, ergibt dies den Vorteil das man eine Höhe Mass an Unabhängigkeit erreichen kann sobald man diese Naturgesetze und Prinzipien kennt und Weiss wie man davon Gebrauch machen kann.
Zur Behandlung von Dyskrasien (Ungleichgewicht der Mischung der Kardinalsäfte) werden ebenfalls unterschiedliche Techniken angewendet, die als innere und äussere Ab- und Ausleitungsverfahren dazu dienen überschüssige oder verdorbene Säfte zu eliminieren.

Nebst den ab- und ausleitenden Techniken werden auch roborierende tonisierende) Massnahmen getroffen, um Säfte, die sich im Defizit befinden zu stärken.

Im hier aufgeführte Artikel werde ich das Basiswissen der Humoralmedizin ermitteln damit Sie eine Anfang und auch einen Bezug entwickeln können um den Körper in seine ganze Erfassung in eine optimale Funktion zu gewährleisten.

Eine deren wichtigste Sachen in der Humoralmedizin ist zu bestimmen in welche Grundelementen einen Person ist und wie die Mischung der Kardinalen Säften ist. Dazu auch ob die Säftemischung Quantitativ und Qualitativ Ausgeglichen ist. Wenn dies so ist spricht man von Eukrasie. Wenn nicht spricht man von Dyskrasie. Die Dyskrasie kann unterschiedliche Ursachen haben. Die meist vorkommende ist ungenügende Energie um ein Gleichgewicht aufrecht zu halten, meistens durch eine Qualitativ niedrige Säftemischung, und damit Unterernährung der Gewebe mit reduzierte Gewebefunktionen und Organfunktionen.
In der Humoralmedizin wird der Heilungsprozess in 3 grundsätzlichen Phasen eingeteilt bei der es darum geht, dass der Organismus einen pathologischen Einfluss erkennt, verarbeitet und ausscheidet. Dadurch harmonisiert sich eine Dyskrasie wieder zur Eukrasie. Es gibt 3 Phasen:

• Apepsis, die Rohheit (die schädlichen Säfte sind noch unverarbeitet).
• Pepsis, die Kochung oder Reifung (die schädlichen Stoffe werden allmählich unschädlich gemacht)
• Krisis, die Ausscheidung (die schädlichen

Stoffe werden ausgeschieden). Die Kraft die der Körper aufbringen kann für eine guten Verlauf der Phasen Pepsis und Krisis bestimmt die eigene Naturheilkraft des Körpers (und wird vollbracht ohne äussere Hilfsmittel).

Es gibt 4 Kardinalsäfte; Phlegma – Sanguis – Xanthe Chole – Melanchole.

Diese Säftemischung ergibt ein Bild ergeben wobei die Konstitution und Temperament von einen Person bestimmt werden kann. Dies wird gemacht durch Bestimmung ob und welche Kardinalsaft Überhand hat und damit zusammen mit der Mischungsart; Eukrasie (=Ausgeglichen), Dyskrasie (=nicht Ausgeglichen), oder Kakochemie (=Störung der Reinheit der Säfte) und der Bestimmung ob der Person in einen Sthenie oder Asthenie ist. Es werden bestimmte Untersuchungen und Körpermerkmalen gemacht wie z.B. Pulsdiagnose, Alitzdiagnose, Reflexzonenkontrolle, Zungendiagnose Pulsdiagnose, Augendiagnose, Haltung, Harnschau, und bestimmte Laboranalysen wie Haarmineral – und Darmfloraanalyse.

In der Humoralmedizin wird der Heilungsprozess in 3 grundsätzlichen Phasen eingeteilt bei der es darum geht, dass der Organismus einen pathologischen Einfluss erkennt, verarbeitet und ausscheidet. Dadurch harmonisiert sich eine Dyskrasie wieder zur Eukrasie.

Schema der TEN

Zitat: „Grundlagen der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde“ Bacopa Verlag ; A-4521 Schiedlberg, 3 Auflage 2017 – Autoren: Christian Raimann Chrischta Ganz, Friedemann Garvelmann, Heide-Dore Bertsci-Stahl, Rosmarie Fehr-Streule


Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN


Fundament                     Geschichte der Medizin                                               Naturphilosophie

Prinzip                                                                          Prinzipienlehre


Grundelemente              Humoralmedizin                Astromedizin              Alchemie
                                         
                                           Lebenskraft                                                              Elementenlehre

                                           Reizlehre                                                                   Temepramentenlehre

                                           Signaturenlehre                                                       Konstitutionslehre

                                           Ordnungslehre                                                         Gesundheits-, Krankheits-,
                                                                                                                              und Heilungsprinzipien


Diagnostik


Anamnese – Naturheilkundige Untersuchung – Anlitzdiagnose – Zungendiagnostik – Pulsdiagnostik  – Somatotopien Dermatomen Reflexzonen –  Irisidiagnostik – Harnschau – Laboranalysen wie Haarmineral – Darmflora Analyse


Gesammtschau / Konklusion


Prävention und Therapie


Traditionelle Arzneimitteltherapie – Ernährung – Ausleitungsverfahren – Manuelle Therapien – Physikalische Anwendungen –  Atemtherapie – Meditation – Lebensstil

Gesundheitsvorsorge nach natürlichen Prinzipien ist die Basis der Medizin. Die traditionelle Natur hat Menschen auf der ganzen Welt durch ihre Geschichte begleitet. Erst durch die wissenschaftliche Revolution des 18./19. Jahrhunderts wurde sie zugunsten der modernen Schulmedizin verdrängt.

Damit wurde das alte, ganzheitliche medizinische Wissen über den Haufen geworfen und der menschliche Körper und seine Funktionen als separate Teile einer größeren Maschine betrachtet, die durch gezielte Reparatureingriffe wiederhergestellt werden konnten.

Es ist nicht zu leugnen, dass die moderne Medizin uns viele große Errungenschaften gebracht und den Schrecken einiger Krankheiten beseitigt hat. Doch gerade in den letzten Jahrzehnten ist der Wunsch von Patienten und Ärzten, natürliche Ansätze in der Medizin zu nutzen, noch weiter gestiegen. Jetzt ist es an der Zeit, den fehlenden Faden der Heiltradition aufzugreifen und an zu wenden. Dies führt uns dazu, den Reichtum unserer Wurzeln zu erforschen und ermöglicht es uns, altes Erfahrungswissen in modernes Heilbewusstsein zu integrieren.“
Ende Zitat


Humoralmedizin


Quelle: Humoralmedizin Hutter L.


1. Das Vierer-Schema in der Antiken Humoralmedizin


Ausgangspunkt des Viererschemas, das eng mit der Analogie zwischen Makrokosmos (Das All) und Mikrokosmos (Mensch) verbunden ist. Dies waren die Ideen der Arztes Alkmaion von Kroton (500 v.C.), der Philosophen Empledokes von Akragas (Agrigent) (495-435 v.C.) und Zenon von Elea (49-430 v.C.).


1.1 Grundqualitäten; warm – kalt – Feucht – trocken

Es gibt 4 Grundqualitäten, auch genannt Primärqualitäten, Urqualitäten oder elementare Qualitäten.
Diese geht zurück auf Alkemeion von Kroton (500 v.C.) und wurde später durch den Philosophen Zeon von Elea (490-430 v.C.) verbunden mit der Elementen (-Lehre).

Aus Mischung der Primärqualitäten entstehen die Sekundärqualitäten, aus deren Mischung die

Tertiärqualitäten.

Einteilung der Körpersubstanzen Gemäss ihrer Qualitäten in absteigender Reihenfolge

Warm: Lebenskraft,  Herz,  Blut,  einfaches  Fleisch,  Leber,  Milz,

            Nieren

Kalt:    Schleim, Haare, Nägel, Knochen, Knorpel, Band, Sehnen,

            Membrane, Gefässwände, Nerven, Rückenmark, Hirn, Fett

Feucht: Schleim,  Blut,  Fett,  Knochenmark,  Hirn,  Rückenmark,

            Lungen,  einfaches  Fleisch,  Milz,  Leber,  Nieren,  Herz,

            Nerven

Trocken: Haare,   Nägel,   Knochen,   Knorpel,   Band,   Sehnen,

             Membrane, Gefässwände


1.2 Das Polaritätsgesetz innerhalb der Primärqualitäten

Es gibt 2 Achsen; thermische Achse und hygrische Achse.
Sie inhibieren sich gegenseitig:
Wärme (Ur-Feuer) und Feuchtigkeit (Ur-Wasser) sind voneinander abhängig und bedingen sich gegenseitig!

Duale Qualitäten

Wärme und Kälte sowie Feuchtigkeit und Trockenheit wirken entgegengesetzt, verbrauchen oder wirken einschränkend aufeinander.

Komplementäre Qualitäten

Feuchtigkeit und Kälte, genauso wie Wärme und Trockenheit verstärken ihre Wirkung gegenseitig.

thermische Achse: Kalt – Warm scheinbar ein einfaches Wissen. Aber Wissen wir auch ob unser Körper Warm Kalt ist?
hygrische Achse: Feucht
trocken

Das heisst wenn es vermehrt Warm ist es weniger kalt. Wenn es vermehrt feucht ist es weniger trocken.
Dies scheint al zu logisch um hier aufgelistet zu werden weil wir das einfach schon Wissen. Aber wissen wir auch, oder können wir feststellen durch einfache Beobachtung ob unser Körper vermehrt Warm oder Kalt ist, oder vermehrt Feucht oder trocken? Diesen Grundelementen im dem unser Körper befinden hat bestimmte Auswirkungen auf das Funktionieren, unserm Körper.

Es gibt bestimmte Analogien der Dynamiken im Körper und es gibt bestimmte Körpergewebe die schon bestimmte Qualitäten in sich haben (sehe oben);   


Analogien im menschlichen Organismus:

Die Thermische Achse: Warm – Kalt

Körperwärme Dynamik Bewegung

Kraft Aktivität Stoffwechselleistung Tonus

Aktion/Reaktion Wehrfähigkeit

Die Hygrische Achse: Feucht – Trocken

Analogien im menschlichen Organismus:

Feuchtigkeitsanteil des Körpers, Substanz

Ernährungsgrad, Bewegbarkeit, Formbarkeit, Elastizität, Ruhevermögen

1.3 Relativität der Primärqualitäten

Für dem Fisch lebt der Mensch im Warm trocken Bereich.
Vom Gesichtspunkt der Mensch lebt der Fisch im Kalt feuchten Bereich.


1.4 Störungen innerhalb der hygrischen Achse

Überschuss an Feuchtigkeit

Der Substanzanteil des Organismus nimmt zu!

Mangel an Feuchtigkeit (Trockenheit)

Der Substanzanteil des Organismus nimmt ab.

1.5 Störungen innerhalb der thermischen Achse

Überschuss an Wärme

Der dynamische Anteil des Organismus nimmt zu.

Mangel an Wärme (Kälte)

Der dynamische Anteil des Organismus nimmt ab.


1.6 Die Vier-Elementenlehre des Empedokles von Argigent  (5. Jh. v. Chr.)

Gott: Hera / Jahreszeit Frühling

Element Luft feucht und warm

Gott: Zeus / Jahreszeit Sommer

Element Feuer warm und trocken

Gott: Aidoneus / Jahreszeit Herbst

Element Erde trocken und kalt

Gott: Nestis / Jahreszeit Winter

Element Wasser kalt und feucht

 
1.7 Die 4 Säftelehre


Hippokrates von Kos und die Vier-Säfte Lehre ca.460 – 370 v. Chr.
Hippokrates unterscheidet in Verbindung der 4 Grundqualitäten die 4 Kardinalsäfte:

Element Wasser / Kardinalsaft: Schleim / Phlegma

Element Luft / Kardinalsaft: Blut / Sanguis

Element Feuer / Kardinalsaft: Gelbe Galle / Xanthe Chole 

Element Erde / Kardinalsaft: Schwarze Galle / Chole

Aelius ehemals Claudius Galenus 129 – 211 n.Chr.

Gibt die Geschmacksqualitäten an die Kardinalsäfte an und gibt für die Kardinalsäfte auch die

Kardinalorganen an die sie produzieren und platziert sie Innerhalb die Elementen mit

Grundqualitäten zusammen mit die Jahreszeiten, und gibt auch die entsprechende Manifestierende Körpersäfte an;

Element Wasser / Kardinalsaft: Schleim / Phlegma; Schleim Weiss und salzig / Kardinalorgan Gehirn / Jahreszeit: Winter

Element Luft Warm und Feucht / Kardinalsaft: Blut (rot und Süss) / Sanguis; Kardinalorgan Herz / Jahreszeit: Frühling

Element Feuer; warm und trocken / Kardinalsaft: Gelbe Galle (Bitter) / Xanthe Chole / Jahreszeit: Sommer

Element Erde ; kalt und trocken / Kardinalsaft: Schwarze Galle (widerlich sauer scharf / Chole Jahreszeit: Herbst


Sie sind nachfolgend in ein Schema aufgeführt.

Vierer Schema mit Elementen Qualitäten thermische Achse hygrische Achse Kardinalsäften

Qualität Trocken                                                                                                      Qualität Feucht

2. Die energetischen Gesetzmässigkeiten innerhalb des quaternären Systems

2.1 Gesetz der Gegenseitige Begrenzung

Feuer mässigt Wasser —  und Wasser mässigt Feuer

Luft mässigt Erde —  und Erde mässigt Luft

2.2 Wandlungsgesetz

Die Elemente gehen ineinander über, indem eine Qualität durch die entgegengesetzte Qualität ersetzt wird.

2.3 Gesetz Minderung / Mehrung

Minderung einer Elementenwirkung führt zur Mehrung seines polaren Partners.

Mehrung einer Elementenwirkung führt zur Minderung seines polaren Partners.

3. Analogien der Elementen

Wasser:
Planet:                       Mond

Farbe:                        Weiss; auch Grün

Charakter:                 Feucht — Kalt, flüssig, beweglich, formend, passiv

Alchemie:                  Passiver Merkur, Putrefaktion, Kondensation

Bewusstseinsform:  Imagination, Medialität, Phantasie

Wesensglied:            Ätherleib

Temperament:         Phlegmatiker

Kardinalsaft:             Phlegma (= Schleim) 

Sinnesfunktion:        Riechen; Schmecken (beides wird durch Feuchtigkeit vermittelt)

Organ:                       Gehirn, Leber, Keimdrüsen, Haut, Schleimhaut, Lymphe, Körperflüssigkeiten (auch Niere und Lunge)

Geschmack:              Muffig, fad, schleimig, faulig, salzig, fettig

Geruch:                     Durchdringend, aashaft, faulig, muffig, schweissig, pheromonähnlich

Pflanzensignatur:     Keimung, Säftefluss der Pflanze. Weiche und saftige Kräuter, mit fleischigen und wasserhaltigen Blättern (Mauerpfeffer, Dachwurz, Aloe).

An feuchten Stellen wachsend (Weide, Birke). Wasser und Moorpflanzen (Sonnentau, Seerose). Nachtaktive Pflanzen (Königin der Nacht, Nachtkerze).

Ausbildung von Schleimstoffen (Malven, Beinwell). Farbausbildung: häufig Grün, Weiss, Rosa, Hellgelb.

Getreide:     Reis

Vitamine:     Vit. C

Metalle:       Quecksilber

Steine:         Beryll, Perlen, alle durchsichtigen Steine

Wirkstoffe: Schleimstoffe

Wirkung:    Kühlend und anfeuchtend, entzündungswidrig, sedierend, regenerierend, bei akuten Krankheiten angezeigt.

Antike Götter: Nestfis, Poseidon, Skamandros,

Elementarwesen: Undinen, Nixen, Wassermann, Wasser-Riesen

Luft

Planet:                      Jupiter

Farbe:                       Rot, auch Gelb

Alchemie:                 Aktiver Merkur, Gärung, Destillation, Potenzierung

Charakter:                warm — feucht gasförmig, aktiv, ausbreitend, durchmischend

Bewusstseinsform: Inspiration

Wesensglied:           Astralkörper

Temperament:        Sanguinisch

Sinnesfunktion:       Hören

Organe:                     Herz, Niere, Blase, Nebennieren, Venen, Hormondrüsen, Nerven (die Impulsleitung)

Kardinalsaft:             Blut

Geschmack:              Scharf (auch Feuer), sauer, aromatisch, schweissig, schweflig, senfig

Geruch:                      Flüchtig, hell, fein, krautig, Kampfer- und Zitrusnote

Pflanzensignatur:  Zarte Blüten (Sauerklee). Ausprägung von Blatt und Stengel (Merkur); Formung des Blattprinzips in das Fächrige, Gefiederte; Umformung zur Blüte mit Staubgefässen. Windsamer (Ulme), rankende Pflanzen (Efeu), schnellwüchsig; feingliedriger schlanker Aufbau (Honigklee); Ausbildung eines hohlen Stängels (Holunder). Pflanzen mit bizarrer Blütenform (Akelei). Ausbildung von Alkaloiden, Cumarinen, Saponinen, ätherischen Ölen, Herzglykosiden, Senfölglykosiden (auch Feuer). Farbausbildung: Pastelltöne, Blautöne, Violett, vielfarbig.

Getreide:      Hirse

Vitamine:      Vit. B

Metalle:        Kupfer, Zinn

Steine:           Schwammstein, Bimsstein, Tuffstein; Steine die auf dem Wasser

schwimmen.

Wirkstoffe:   Aromastoffe, Saponine, Alkaloide, Glycoside

Wirkung:       Erwärmend und anfeuchtend, Anregung geistiger Funktionen, aktivieren Stoffwechsel bei chronischen Leiden, keimtötend, tonisierend, häufig spasmolytisch.

Antike Götter: Hermes, Hera

Feuer

Planet:                      Mars

Farbe:                       Gelb, Rot

Charakter:                Warm — trocken, strahlend, brennend, durchdringend, Verwandlungskraft, Drang in die Weite nachzugeben, explosiv.

Alchemie:                 Sulfur, alle Prozesse bei denen man Wärme verwendet.

Bewusstseinsform: Intuition

Wesensglied:           Ich (Geist)

Temperament:        Choleriker

Kardinalsaft:             Xanthe Chole (= gelbe Galle)

Sinnesfunktion:        Sehen

Organe:                      Leber, Galle, Herz, Arterien, Schilddrüse, Muskulatur, Abwehrsystem. Magen, Nervenimpulse

Geschmack:               Scharf, brennend, bitter, warm, zusammenziehend.

Geruch:                      Beissend, krautig, würzig, warm, balsamisch. intensiv.

Pflanzensignatur:   Reifung, Umwandlung der Blütenkraft in Samen. Verhärtungsprinzip; Ausbildung harter Hölzer, (Zimtrinde, Eiche, Berberitze). Umwandlung des Blattprinzips in Nadeln oder Dornen (Berberitze, Schlehe, Disteln, Nadelgehölze). Ausbildung von Bitterstoffen, Scharfstoffen (teils auch Luft), fetten und ätherischen Oelen (Olive, Sonnenblume, Rosmarin, Wermut); Farbausbildung: Gelb, Orange, Rot, Purpur.

Getreide:               Hafer

Vitamine:               Vit. A

Metalle:                 Gold, Eisen

Steine:                    Feuerstein, Meteor, Asbest

Wirkstoffe:            Bitterstoffe, Scharfstoffe, fette Öle Wirkung: Erhitzend und austrocknend, stimulierend, denaturierend tonisierend, abwehrsteigernd, keimtötend.

Antike Götter:       Mars, Hephaistos. Apollo, Helios

Elementarwesen: Salamander, Feuerriesen

Erde:

Planet:                      Saturn

Farbe:                       Schwarz; auch Blau

Charakter:               Trocken-kalt, Fest. passiv

Alchemie:                 Sal. Asche Zusatz in spagyrischen Präparaten

Bewusstseinsform: Intellekt

Wesensglied:           Physischer Leib

Temperament:        Melancholie

Kardinalsaft:            Melanchole (= schwarze Galle)

Sinnesfunktion:       Tasten; Schmecken (kann als eine Abart des Tastens betrachtet werden)

Organ:                       Milz Lunge Knochen, Gelenke, Haut und Hautanhangsorgane; Nervengewebe

Geschmack:           Süss. salzig, erdig. modrig. relativ geschmackslos oder penetranter Nachgeschmack

Geruch:                  Terpentinhaft, balsamisch. harzig

Pflanzensignatur: Wurzelbildung. Die Speicherwurzelbildung ist mehr dem wässrigen, die bittere gelbe Wurzel dem feurigen, und die aromatische Wurzel dem luftigen Element unterstellt. Trockene. wasserflüchtende Pflanzen (auch Feuer), Rinde (auch Feuer), kriechende Pflanzen: ausdauernde Pflanzen: Immergrüne (auch Feuer), erdgeschichtlich weit zurückreichend (z.B. Farne); Pflanzen die ein hohes Leben erreichen (Flechten). Wenig Blütenbildung. Ausbildung von Gerbstoffen; Betonung der Kieselsäure und anderer Mineralien.

Farbausbildung: meist unscheinbar: dunkle Farbtöne. Moosgrün, Grau, Dunkelviolett (auch Luft).

Spagyrik Kohle und Aschepräparate aus Pflanzen.

Getreide:               Mais

Vitamine:               Vitamine D

Metalle:                 Blei, Silber

Steine:                    undurchsichtige. schwere Steine. 

Wirkstoffe:            Gerbstoffe, Mineralien wie z.B. Kieselsäure Kühlend und austrocknend.

Wirkung:                adstringierend, sedierend, wundheilend, blutstillend, teils antiallergisch und antibiotisch wirkend.

Antike Götter:       Gäa, Demeter, Persephone, Hades Elementarwesen: Zwerge, Gnome, Heinzelmännchen, Kobolde, Elfen, Satyrne, Faune Frostriesen

4. Die Spirituslehre

Die Spiritus sind den Säften übergeordnete Prinzipien die eine lenkende Aufgabe im Organismus übernehmen. Ihre Bedeutung für die Therapie wird kontrovers diskutiert. Die Spirituslehre wird hauptsächlich für theoretische Erklärungsmodelle physiologischer und pathophysiologischer Vorgänge des menschlichen Körpers verwendet.

Es werden 3 Spiritus mit ihren jeweiligen Kardinalorganen und ihren spezifischen Funktionen unterschieden:

Spiritus naturalis (physisches Pneuma, Stoffgeist) Der Spiritus naturalis hat seinen Sitz in der Leber. Der Leber obliegt die Blutbildung und damit die Ernährung des Körpers. Der Spiritus naturalis hat folgende Aufgaben:
• Erhaltung des individuellen Lebens durch Regulation aller Ernährungsaufgaben
• Aufrechterhaltung der Fortpflanzungsfähigkeit
•Er wird hauptsächlich über die Venen verteilt

Spiritus vitalis (Lebenspneuma, Luftgeist) Der Spiritus vitalis hat seinen Sitz im Herz und hat folgende Aufgaben:
• Das Blut zu regulieren
• Die Säfte fliessen zu lassen
• Reguliert alle rhythmisch ablaufenden Prozesse
• Den Organismus zu vitalisieren
•Er wird hauptsächlich über die Arterien verteilt

Spiritus animalis (psychisches Pneuma, Seelengeist) Der Spiritus animalis mit dem Sitz im Hirn (Hirnventrikel) hat folgende Aufgaben:
• Reguliert alle Hirn- und Nervenaufgaben
• Er wird hauptsächlich über die Nerven verteilt

Die Summe der drei Spiritus ergibt die Vis Vitalis (Lebenskraft), die in sich die Vis Medicatrix Naturae (Naturheilkraft) enthält.

Durch die 3 Spiritus werden sämtliche Teile des Körpers zu einem einheitlichen Ganzen verbunden.

Spiritus naturalis mit Sitz in der Leber

Aufgaben:

•          Erhaltung des individuellen Lebens durch Regulation aller Ernährungsaufgaben

•          Aufrechterhaltung der Fortpflanzungsfähigkeit

•           Wird hauptsächlich über die Venen verteilt

Spiritus vitalis mit Sitz im Herz

Aufgaben:

•          Reguliert das Blut

•          Lässt die Säfte fliessen

•          Reguliert alle rhythmisch ablaufenden Prozesse

•          Vitalisiert den Organismus

•           Wird hauptsächlich über die Arterien verteilt

 Spiritus animalis mit Sitz im Hirn

Aufgaben:

•          Reguliert alle Hirn- und Nervenaufgaben wird hauptsächlich über die Nerven verteilt


5. Die Reizlehre im kurzen

Die Reizlage = Inzitabilität und setzt sich als folgt zusammen:

Sensibilität = Reizwahrnehmung
Irritabilität = Reizbeantwortungsfähigkeit

Die Inzitabilität ist Ausdruck der Lebenskraft!

Inzitabilität und die Prinzipen der Wärme und Feuchtigkeit

•          Eine Dominanz des Wärme-Prinzips (Urfeuer) erhöht die Inzitabilität

•          Eine Dominanz des Feuchtigkeitsprinzips (Urwasser) senkt die Inzitabilität

Inzitabilität und Sthenie – Asthenie

•          Ist die Inzitabilität überdurchschnittlich erhöht, besteht eine Sthenie

•          Ist die Inzitabilität vermindert, besteht eine Asthenie

6. Sthenie / Asthenie


6.1 Die Hypersthenie (Feuer)

–           Vermehrte Schnelligkeit und Stärke aller Lebensäusserungen

–           Vermehrte Wärme/Hitze

–           Erhöhte Sensibilität und Irritabilität

–           Vermehrter Tonus oder Spannkraft der Körperteile und der Psyche

–           vermehrte Gerinnbarkeit des Blutes

–           Puls ist lebhaft, voll und hart

–           Neigung zu hochakuten Zuständen

Der hypersthenische Zustand kann allgemein oder örtlich sein.


6.2 Die Asthenie/Hyposthenie (Wasser)

–           Verminderte Schnelligkeit und Stärke aller Lebensäusserungen

–           Vermehrte Kälte

–           verminderte Sensibilität und Irritabilität oder irritable Schwäche

–           verminderte Gerinnbarkeit des Blutes

–           Puls ist weich und schwach und leicht unterdrückbar

–           Geringste Anstrengung führt zu vegetativen „Entgleisungen“

–           Neigung zu chronischen Zuständen

Der a-/ hyposthenische Zustand kann allgemein oder örtlich sein.

•          Sthenische/Hypersthenische Konstitutionen/Krankheiten werden durch detonisierende, sedierenden, schwächenden, antispasmodischen und reizsenkenden Methoden gebessert.

•          Asthenische/Hyposthenische Konstitutionen/Krankheiten werden durch roborierende, tonisierenden und reizsteigernden Methoden gebessert.

6.3 Sthenie und Asthenie; vermehrte / verminderte Stärke der Lebensäusserung

Es werden die sthenischen und asthenischen Konstitutionen unterschieden die angeboren sind.

Hypersthenische und asthenische hyposthenische Symptome und Krankheiten sind erworbene Störungen auf Grund unterschiedlicher Ursachen.

Sthenische und asthenische Zustände können allerdings gemischt vorkommen.

So kann beispielsweise jemand von asthenischer Konstitution sein und gleichzeitig können vereinzelt hypersthenische Zustände in einigen Organen/Organfunktionen vorliegen (Beispiel: Schwächlich-asthenische Konstitution mit akuter hypersthenischer Gallenkolik) und umgekehrt.

Die Sthenie (Feuer) vermehrte Stärke der Lebensäusserung

Dieser Zustand hat folgende wesentliche Äusserungen:

– Vermehrte Schnelligkeit und Stärke aller Lebensäusserungen.

– Puls ist lebhaft, voll und hart, und nicht leicht unterdruckbar.

– Vermehrte animalische Wärme.

– Erhöhte Sensibilität und Irritabilität.

– Vermehrter Zusammenhang, Tonus oder Spannkraft der festen Körperteile und vermehrte Gerinnbarkeit und Bildungsfähigkeit des Blutes.

– Breiter Körperbau

– Neigung zu hoch akuten Zustände

Dieser Zustand bildet eigentlich den höchsten Grad der Gesundheit. Er wird erst dann zur Krankheit, wenn dieses Übermass am Leben die Lebensvorrichtungen stört und Regelwidrigkeiten hervorbringt. Dieser Übergang in die krankhafte Hypersthenie kann entweder durch eine Zunahme dieses Zustandes selbst oder durch eine noch hinzukommende, vermehrte Summe der Reize, und schnell vermehrende Gelegenheitsursache geschehen.

Der sthenische Zustand kann allgemein oder örtlich sein. Auch der örtliche sthenische Zustand wird erst dann zu hypersthenische Krankheit, wenn er Anomalien in den Funktionen des Organismus erzeugt!

Die Asthenie (Wasser) verminderte Stärke der Lebensäusserungen

Dieser Zustand hat folgende wesentliche Äusserungen:

– Mangel an Intensität, Ausdehnung und Stetigkeit der Lebensäusserungen.

– Puls ist weich und schwach und leicht unterdrückbar. Er beschleunigt sich schnell bei der geringsten Anstrengung, jedoch ohne seine Stärke zu vermehren.

– Die Atmung ist schwach und mühsam, bei der geringsten Anstrengung beschleunigt.

– Neigung zu Hypochondrie.

– Kommt leicht ins Schwitzen.

– Allgemein leicht ermüdbar. Die geringste Anstrengung führt schon zu vegetativen Entgleisungen.

– Schlaffer Tonus.

– Neigung zu Enteroptose (Eingeweidesenkung).

– Schwache Verdauung.

– Schmaler Körperbau.

– freie oder mobile 10. Rippe (Costa decima fluctuans) ein Zeichen für Enteroptose.

– Neigung zu chronische Zustände.

Der Schwächezustand kann bis zu einem gewissen Grad vorhanden sein, ohne Krankheit zu sein.

Die Asthenie wird erst dann zur Krankheit, wenn sie entweder Regelwidrigkeiten der Lebensäusserungen erzeugt oder die zur Lebenserhaltung oder dem Gebrauch des Lebens nötigen Tätigkeiten stört. Die Asthenie / hyposthenie kann allgemein oder örtlich sein.

6.4 Einteilung in sthenische und asthenische Symptome

Nach Lebensalter und Geschlechtsphasen

Bis zu einem gewissen Grad kann man alle Krankheiten/Symptome entweder der Sthenie oder Asthenie zuordnen:

Sthenische (Hypertonische) Zustände                           Asthenische (Hypotonische) Zustände

                                          Nach Lebensalter und Geschlechtsphasen

                                          Kindesalter

Eklampsia infantum                                            Asthenie

Keuchhusten                                                        Lymphatismus   

Stimmritzenkrampf                                             Rachitus

Darminvagination                                                Hypotrophie

Andere Spasmen                                                  Atrophie

Akute Infektionskrankheiten                             Skrofulose

                                           Pubertät

Krankhaft erhöhter Geschlechtstrieb               Asthenie

Menstruationskrämpfe                                       Neurasthenie

Chorea                                                                    Hysterie Ohnmachten

Manische Psychosen                                            Anämie

                                                                                  Chlorose

                                                                                  Atonia ventriculi

                                                                                  Atonische Uterusblutungen

                                                                                  Tuberkulose

                                                Gravidität

Plethora                                                            Atonische Blutungen

Hypertonie                                                       Varizen

Nierenerkrankungen                                      (Gefässerschlaffung, dabei aber Erbrechen                                                                                            Plethora)

Eklampsie                                                         Ödeme

Aseptische Entzündungen                             Wehenschwäche

Erhöhte Wehentätigkeit (Krampfwehen)   Atonie des Uterus post partum

Tetania uteri

Disposition zu Fieber und Entzündungen im Wochenbett

                                   Klimakterium und höheres Lebensalter

Hypertonie des Gefässsystems                     Atonie des Magen-Darmtrakts

Arteriosklerose                                               (Atonia ventriculi U. atonische                                                                     Obstipation)

Schrumpfniere                                                 Herzschwäche bei niedrigem Blutdruck                                                                                                      .                                                                           Varizen                              
Apoplexie                                                          Atonische Uterusblutungen

Gefässkrämpfe                                                 Ödeme

Waden- und Nackenkrämpfe                        Atonische Uterusblutungen

Erhöhter Sympathikotonus                            Ödeme

Glaukom                                                            Erschlaffung von Haut und                                                                           Bindegeweben

Neigung zu Entzündungen                              Chronische tonische Gicht bzw. chronischer                                                   Gelenkrheumatismus

Neuralgien und andere Schmerzen               Depressive Psychosen

Akute Gicht 

Neoplasmen Manische Psychosen

Einteilung in sthenische und asthenische Symptome nach Organen und Organsystemen

                                  Skelettsystem, Muskulatur, Bänder, Bindegewebe 

Alle spastischen Muskelerkrankungen            Rachitis

Trismus                                                                  Plattfuss

Tetanus                                                             Hypermobilität der Gelenke Oft abnorme Beweglichkeit                                                                      .                                                                          der 10. Rippe        (= Costa fluctuans decima)

                                                                           Oft Druckempfindlichkeit des 7. Hals-                                                               .                                                                          u. 1. Brustwirbeldornfortsatz.

                                                       Nervensystem

Alle motorischen Spasmen                                  Alle peripheren und zentralen Lähmungen                                                                      

Epilepsie                                                                  Ohnmacht

Chorea                                                                     Blindheit

Hysterische Krämpfe                                             Taubheit

Zittern                                                                      Verlust von Geschmack und Geruch

Gefässspasmen                                                       Schwindel

Krampfhafte Zustände des Herzens                    Schlafsucht

und seiner Gefässe (Angina pectoris)                 Sensibilitätsausfälle

Schmerz als Krampf der sensiblen Nerven         Stupor

Neuralgien                                                                Koma

Kopfschmerz                                                            Scheintod

Juckreiz

                                                         Blutdrüsensystem

Tetanie                                                                       Chlorose

Basedow                                                                    Addison

Akromegalie                                                              Myxödem

                                                          Stoffwechsel

Akute Gicht                                                                 Diabetes Chronische Gicht bzw.                                                              chronisches Gelenkrheuma                                     Fettsucht

Akuter rheumatischer Schub                           

                                                           Magen – Darm Trakt

Magenkrämpfe verschiedener Art                           Atonia ventriculi

Brechreiz und Erbrechen                                           Divertikulose

Koliken des Dünn- u. Dickdarms                               Atonische Obstipation                 
Spastische Obstipation                                      

Tenesmen des Rectums                                        

Invagination bei Kindern

Ileus

Gallensteinkoliken

Singultus

                                                  Nieren Blase u. ableitende Wege

Nierensteinkoliken                                                              Inkontinenz

Blasenkrampf                                                                       Blasenhypotonie / Lähmung

Prostatahypertrophie

                                                   Geschlechtsorgane

Erhöhter Geschlechtstrieb                                                  Frigidität

Priapismus                                                                             Impotenz

Nymphomanie                                                                      Primäre Sterilität

Uterine Krämpfe

Tubenkoliken

Vaginismus

                                                    Haut und Schleimhäute

Alle akuten Entzündungen                                                  Chronische Entzündungen

Aktive Hyperämien Kongestionen)                                    Katarrhe

                                                    Herz-Kreislauf-Gefässsystem

Hypertonie                                                                             Hypotonie

Gefässspasmen (Parästhesien)                                          Gefässparalysen

Gefässkrisen                                                                          Varizen

Angina pectoris                                                                     Gangrän

Herzhypertrophie                                                                 Nekrose

Raynaudsche Krankheit

                                                      Hämatopoetischer Apparat

Hyperämie                                                                              Die verschiedenen Formen der Anämie

Entzündung, Fieber                                                               Untertemperatur

Kongestion                                                                              Plethora

                                                       Krankheitsverlauf

Meist akute Krankheiten                                                      Meist chronische Krankheiten

Tabelle leicht verändert aus Aschner Bernhard: Lehrbuch der Konstitutionstherapie, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1986

6.5 Behandlungskonzepte der Sthenie/Hypersthenie und Asthenie/Hyposthenie

• Sthenische/Hypersthenische Konstitutionen/Krankheiten werden mit detonisierenden, sedierenden, schwächenden, antispasmodischen und reizsenkenden Methoden therapiert.

• Asthenische/Hyposthenische Konstitutionen/Krankheiten werden mit roborierenden, tonisierenden und reizsteigernden Methoden therapiert.

6.5.1 Behandlung der Asthenie

Es werden roborierende und tonisierende Massnahmen ergriffen:

1. Zu den innerlichen Stärkungsmittel gehören beispielweise:

– Amaras – Adstringentien Aromatikas — Eisenpräparate — Vitamine – roborierende Ernährung

2. Zu den äusserlichen Stärkungsmittel gehören beispielsweise:

– anregende Bäder – Kaltwasser-Anwendungen – Luftbäder – Trockenbürsten – Trockenschröpfen – Gymnastik – anregende manuelle Techniken

Ausleerende, detonisierende Techniken sind bei Asthenie kontraindiziert!

6.5.2 Behandlung der Hypersthenie

Es werden beruhigende und detonisierende Massnahmen ergriffen:

1. Zu den innerlichen Schwächungsmittel gehören beispielsweise: – Ausleitende Kuren (Fastenkuren, Schwitzen, Purgation) – lactovegetabile Kost – Sedativas – Spasmolytikas

2. Zu den äusserlichen detonisierenden Massnahmen gehören beispielsweise: – Blutentziehungsverfahren – Klistiere – Verminderung der Wärme (z.B. Essigsocken bei Fieber) – Physische und geistige Ruhe – beruhigende Bäder – Heublumenauflagen -Emulsionen, beruhigende manuelle Techniken.

Kräftigende, tonisierende Techniken sind bei Hypersthenie kontraindiziert!

6.6 Zusammenfassung

Aus den dargestellten Gründen kann man die Krankheiten auch in Krankheiten des Mangels (Minuskrankheiten) und Krankheiten der Fülle (Pluskrankheiten) unterscheiden. Hippokrates sagte daher kurz und prägnant: „Die Medizin besteht vielfach im Hinzufügen und Wegnehmen.»

7. Die Säftegenesis

7.1 Die 3 Kochungen (= Coctio = Pepsis)
Kochung auch «Coctio» oder Pepsis genannt, in der Humoralmedizin bedeutet das mittels Wärme, nicht Körpereigene Substanzen, bestehend aus luftigen, flüssigen und feste Nahrung aufgenommen, verarbeitet und umgewandelt werden in Körpereigene Substanzen (Gewebe).
Das wichtigste Element hierbei ist die Wärme auf der thermische Achse im menschlichen Organismus. Diese Wärme ist die verändernde Kraft. Die Kochung erfolgt in drei Schritten.
Dabei muss die Nahrung in ihre primären Qualitäten gespalten werden damit es zu körpereigenen Säften aufgebaut werden kann.
Die 1° und 2° Kochungen sind die Vorbereitungen für die eigentliche Umwandlung von nicht körpereigenen Substanzen in Körpereigenen Säften und Substanzen in der 3° Kochung die in die Geweben stattfinden.


In der Humoralmedizin werden 3 Kochungen unterschieden:


1° Kochung
Der Prozess beginnt im Mund mit Kauen und Einspeichelung der Nahrung. Die grösste Leistung erfolgt im Abdomen, in Magen (=grosser Magen) und im Duodenum (=kleiner Magen). Dieser gilt als Initiator der Kochung überhaupt und wird deswegen wird das Abdomen «der Quelle aller Quellen» genannt. Die Wärme bezieht der Magen ausser seine eigen wärme zusätzlich von die umliegende Organe;  Herz, Lunge, Niere, Zwergfell, Leber, Milz, Pankreas und sogar Nervensystem. Es entsteht dabei der eigentliche Speisebrei auch Chylus genannt.  Der 1° Kochung; entsteht im Magen, der sauer ist; normaler Magen-pH-Wert beträgt 1,8. Eine Bronzemünze ist entsorgt in 10 Minuten. Oft ist die 1° Kochung wegen einer schlechten Produktion von Magen säure mit zu hohen PH-Wert beeinträchtigt.

Die Chylus (die Nahrung durch den Magen verdaut) geht dann in den Duodenum (auch 2.Magen genannt, die basisch ist) wo der brauchbare Teil durch die Mesenteriale Venen in der Leber transportiert werden. Der unbrauchbare Teil wird in den Dickdarm weitergeleitet und untergeht noch weitere Beimengungen ausscheidungspflichtiger Substanzen bis zur definitiven Ausscheidung (Defäkation).

Der 2° Kochung
Entsteht in der Leber:  hier wird durch die Pfortader und die anführende mesenterial Venen ein erst gekochten brauchbaren Speisebrei (Chylus) geliefert. Dabei beginnt die 2° Kochung ansatzweise Venen in ein s.g. «Vorbereitete Blut» (rohes Blut) und wird durch die Leber weiter verarbeitet; (gekocht) die resultiert in die Hauptproduktion von Blut.  Einen Teil des entstandenen Blutes verwertet die Leber für eigene Ernährung. Ein Grossteil gibt sie über die Hohlvene am Körper weiter.
Nicht der gesamte Chylusmasse wird in Blut verwandelt. Es entstehen Abfallprodukte; die beide Gallen; gelbe und schwarze Ausscheidungsgallen. (Diese sind nicht gleich der natürlichen Gallen).
1. Die gelbe Galle, die in der Gallenblase angesammelt wird, und die in den Darm ausgeschieden wird, wo sie die Peristaltik zum Darm anregt und schneller macht.
2. Die schwarze Galle, die in die Milz wandert wird dort speziell aufbereitet. Die Milz teilt es in einen feinen Teil, der für die Ernährung der Milz dient, und einen viskosen Teil, der in den Magenausgang wandert, und dort der Peristaltik der Magen peristaltisch anregt, der Magen stärkt und schliesslich dem sich bildende Kot zugeführt.

In dem sich gebildeten Blut lässt sich noch rohes, ungekochtes finden; der Schleim. Dieser Schleim (süss von Geschmack) ist dem Blut sehr nahe uns ist ein Reservestoff, der jederzeit in den Blutgefässen zu echtem Blut gekocht werden kann. 

Die 2° Kochung in der Leber produziert Blut mit den 4 Kardinalsäften: 1. Phlegma, 2. Sanguis, 3. Cholera, 4. Melanchole. Außerdem produziert es 3 Abfallstoffe: der gelbe Ausscheidungsgalle und der schwarze Ausscheidungsgalle, und Schleim nur als pathologischer Zustand (ist salzig oder sauer von Geschmack). 

Das in der Leber produzierte Blut besteht also aus:
1. Blut.
2. Die 4 kardinalsäfte; Schleim, Sanguis, Cholera, und Melancholie.
3. gelbe Ausscheidungsgalle;
4. schwarze Ausscheidungsgalle.
5. Schleim in pathologischer Zustand

Der dünnste Teil der Ausscheidungsgallen wird durch die Nieren filtriert und über die Urin ausgeschieden.

 Die 3° Kochung
Entsteht in die Körpergewebe selber und entspricht der Assimilation die wirkliche Aufnahme. Das Blut mit den 4 Kardinalsäften kommt schließlich in die Gewebe, und dort entsteht durch 3° Kochung von flüssige Substanz, Körpersubstanz; genau gesagt es wird Gewebe gebildet. Das bei der 2° Kochung gebildete Blut wird von die «hungrigen Gewebe» angezogen und entsprechend ihre Primärqualitäten ziehen sie das für sie brauchbare aus dem Blut heraus und lassen es substanziell werden. Der Weg von Fluidas zu den Solidas ist gelungen und vollendet. Man kann es mit dem Kochen eines Eies vergleichen; vom flüssigen Zustand geht es durch dem Kochen in den festen Zustand.
Wie bei den beiden vorgegangenen Kochungen entstehen auch bei der dritten Kochung Abfälle, die als Schweiss ausgeschieden werden. Der Schweiss kann die beide Ausscheidungsgallen und Schleim enthalten.

In der Klassifizierung der Wichtigkeit der korrekte Funktion der 3 Kochungen, steht auf dem ersten Platz von Bedeutung der Magen, auf dem zweiten Platz von Bedeutung ist die Leber, und auf dem dritten Platz von Bedeutung ist das Gewebe. Die korrekte Funktion alle der 3 Kochungen ist eine Hauptbedingung, für eine korrekte Assimilation (Aufnahme) und eine optimale Ernährung und Bildung von gut funktionierende Geweben.

Wenn die 1° Kochung kompromittiert ist, kompromittiert es auch die zweite und dritte Kochung.

Wenn die 2° Kochung kompromittiert ist, wird auch die 3° Kochung kompromittiert. Wenn kompromittiert die 3° Kochung kompromittiert ist, wird nach einiger Zeit auch die 1° Kochung kompromittiert, weil die Ernährung von Geweben beeinträchtigt. Dies ist wiederum eine Hauptbedingung für ein Gewebe, das richtig funktioniert, auch auf zellulärer Ebene mit allen biochemischen Prozessen. Wenn es nicht mehr gut ernährt wird, verliert es seine korrekte Funktion.

                                       

Säftelehre

7.2 Der Säfte-Mensch im Überblick

Prinzipiell wird der menschliche Organismus in feste und flüssige Teile unterschieden. Die flüssigen Teile, Fluidas genannt gehen den festen Teilen, Solidas vor. Das flüssige Blut gerinnt beispielsweise zu festem Fleisch. Dieser Prozess ist wärmevermittelt, entsprechend dem Kochen eines rohen Eis zu einem festen Ei. Es braucht also eine Wärmequelle die über eine kochende Kraft (= verändernde Kraft) verfügt. Der flüssige Mensch besteht aus 4 hauptsächlichen Säften die ihre Quellen in 4 Hauptorganen haben (siehe Vierer-Schema Galens). Der feste Mensch ist Produkt der wärmevermittelten, „eingedickten» Säfte. Jede Störung, mit Ausnahme von Unfällen und Gewalteinwirkungen, hat seinen Ursprung in den flüssigen Anteilen des Menschen. Diese Erkenntnis unterscheidet die Humoralpathologie (Krankheit geht von den Säften/Flüssigkeiten aus) von der Solidarpathologie (Krankheit geht von den festen Körperteilen/Organe) aus.

Ein auf humorale Gedankengänge als Grundlage physiologischer und pathologischer Vorgänge beruhende System findet sich prinzipiell in allen frühen Hochkulturen in ihrer entsprechenden eigenen Formulierungen!

7.3 Die Fluidas und Solidas beeinflussende Prinzipien

Pneuma Gelenkt wird der Körper von der Seele die drei Hauptfunktionen zu erfüllen hat und dazu das aus der Atmung gewonnene Pneuma benötigt. Pneuma ist gewissermassen das Bindeglied zwischen Seele und Körper. Es ist gleichsam der Träger der seelischen Wirkungen innerhalb des Körpers. Versiegt der Pneumastrom wird sich die Seele augenblicklich vom Körper trennen.

Kochung
Zur Unterhaltung/Ernährung der Säfte und den daraus entstehenden Gewebe, Organe benötigt der Organismus Nahrung die fester, flüssiger und luftiger Art ist. Das von aussen Aufgenommene ist zunächst Körperfremd und muss durch Kochung (= Kraft der Veränderung) in die körpereigenen Säfte und daraus zu Geweben/Organe gekocht werden. Der Hauptsitz dieser Kochung liegt im Magen, dem der Humoralmediziner besondere Aufmerksamkeit widmet. Der Magen ist ihm die „Quelle aller Quellen» aus dem die Säfte ihren Ursprung nehmen.

Funktion der 4 Kardinalorgane In einigen Büchern des Corpus Hippocraticum werden die 4 Kardinalorgane auch Quellen genannt. Für das Blut ist das Herz die Quelle, für den Schleim das Gehirn, für die gelbe Galle die Leber, für die schwarze Galle die Milz, nachdem diese sie von den Speisen und Getränken aus der Leibeshöhle/Magen (1. Quelle und somit Quelle aller Säfte) empfangen haben. Die Quellen müssen in enger Zusammenarbeit mit dem Gesamtorganismus stehen, sie ziehen die ihnen entsprechenden Säfte aus der Nahrung an und geben sie an den übrigen Körper weiter; sie regeln ferner Appetit- und Sättigungsgefühl; „sie teilen dem übrigen Körper das von dem Gegessenen und Getrunkenen mit, was gallehaltig, schleimhaltig, bluthaltig und schwarzgallehaltig ist.»

Jede der vier Quellen erhält zwar in grösster Menge den ihrer eigenen Natur entsprechenden Saft, die Adern dieser Organe ziehen aber auch „von der anderen Flüssigkeit» etwas in sich ein.

Bestimmung der Säfteverhältniss

Eukrasie • Mass halten

Dyskrasie • Masslosigkeit
Kokochymie • fehlende Reinheit und Qualität der Säfte

Krisenlehre  (unter Punkt 8 ausführlich)

• Apepsis, die Rohheit (die schädlichen Säfte sind

noch unverarbeitet).

• Pepsis, die Kochung oder Reifung (die

schädlichen Stoffe werden allmählich

unschädlich gemacht)

• Krisis, die Ausscheidung (die schädlichen

Stoffe werden ausgeschieden).

7.4 Die natürliche Ausscheidungswege der Säfte

Phlegma: natürliches Phlegma wird im Blut umgewandelt. Besteht Phlegmatismus kann der Körper Phlegma über die Schleimhäute, Haut Nieren, Menses ausleiten.

Sanguis:
natürlicherweise nur über die Menses. Wenn nötig auch über Hämorrhoidenund die Nasenschleimhaut

Chole: 
Darm, Nieren, Haut, Menses

Melanchole: Darm, Nieren, Haut, Menses, Tränen
7.5 Die 4 Grundfunktionen der Säften / Humores

Element Wasser

Schleim; kalt und feucht; Nutritive Grundfunktionù


Element Luft 
Blut; feucht; und warm; Distributiven Grundfunktion

Element Feuer
Gelbe Galle; warm und trocken; kalorische Grundfunktion

Element Erde
Schwarze Galle; trocken und kalt; Eliminatorische Grundfunktion
Beispiele zur nutritiven Grundfunktion
Erscheint ein Mensch ausgemergelt, trocken, ist seine nutritive Grundfunktion zu schwach.
Es gilt also seine nutritive Grundfunktion (Nutrition) zu stärken.

Erscheint ein Mensch adipös, so ist seine Nutrition zu stark ausgeprägt, sie muss also reguliert respektiv ausgeleert/geschwächt werden.

Beispiele zur distributiven Grundfunktion

Ein Mangel der distributiven Grundfunktion kann zu Blutstagnation führen. Es ist die distributive Funktion gestärkt anzuregen.

Eine überführende distributiven Grundfunktion kann zum Beispiel bei Blutungsneigung beobachtet werden. Hier muss die distributive Funktion eingedämmt werden.

Beispiele zur kalorischen Grundfunktion

Ist die kalorische Grundfunktion vermindert, entstehen Kältekrankheiten. Entsprechend muss diese Funktion anzuregen.
Ist die kalorische Funktion übermässig wird der Betroffene unter Hitzezuständen leiden. Somit muss die thermische Funktion gedämpft werden. 

Beispiele zur eliminatorischen Grundfunktion
Ist die eliminatorischen Funktion herabgefahren und reduziert, wird es zu Vergiftigungserscheinungen kommen mit kompensatorische Ausleitungen.
Hier muss die eliminatorische Funktion angeregt werden.
Ist die eliminatorischen Grundfunktion übermässig kann es zu Mangelerscheinungen leiten.
Hier gilt die eliminatorischen Funktion zu hemmen.

Regulierung der Grundfunktion
Stärkung einer Grundfunktion erreicht man über die Stärkung des zugehörigen Elementes.
Minderung einer übermässigen Grundfunktion erreicht man über die Stärkung des polaren Elementes.

7.5 Physiologische Funktionen der Humores

Schleim (= Phlegma); kalt und feucht
– entspricht dem passiven Prinzip das durch das aktive Prinzip geformt wird
– erfüllt ernährende (= nutritive) Funktionen im Körper, gilt deshalb als weibliches Prinzip
– dient ebenfalls als Energiespeicher, aus dem unter Einfluss von Wärme, Blut (= Sanguls) entstehen kann
– kühlt die beim Stoffwechsel entstehende Wärme
– wirkt dämpfend auf energetische Prozesse
– mindert die Erregbarkeit des Gewebes
– Bewegungen nach unten und nach innen dominieren
– ernährt alle kalt-feuchten Gewebe

Physiologischer Schleim ist in allen Geweben des Organismus als Grundfeuchtigkeit vorhanden; findet sich verstärkt in allen „feuchten» Körperteilen wie z. B: Lymphe, interstitielle und intrazelluläre Flüssigkeiten, Blut, Schleimhäute, Speichergewebe usw.

Blut (= Sanguis); feucht und warm
– Enthält sowohl energetische wie auch nährende Qualitäten in idealer Weise und ist somit Träger des Lebensprinzips und Grundlage der Lebensfreude
– hat bewegende und verteilende Eigenschaften und wirkt so ausgleichend auf alle Extreme (hält die Balance)
– Ist Grundlage der Gewebsbildung durch aktive Transformation potentieller Nährqualitäten
– ermöglicht die Sensibilität und die Kinetik
– Bewegungen nach oben und nach aussen dominieren
– ernährt alle feucht-warmen Gewebe

Blut ist bei allen vermittelnden und  verbindenden Funktionen zugegen, die meist in rhythmischen Abläufen geschehen wie zum Beispiel Kommunikationssysteme (z.B. Blut-Gefässsystem), Austauschsysteme (z.B. Gasaustausch), Schlaf-Wachrhythmus, Organbewegungen usw.

Gelbe Galle (= Xanthe Chole); warm und trocken

– entspricht dem aktiven, energetisierenden Prinzip, das vom passiven Prinzip (= Phlegma) ernährt wird
– erfüllt aktivierende und lenkende Funktionen im Körper, gilt deshalb als männliches Prinzip
– entspricht der organisierenden Funktion im Organismus
– Gibt die Wärme und somit den Antrieb für Stoffwechselfunktionen
– regt alle energetischen Prozesse an
– erhöht die Erregbarkeit der Gewebe
– Bewegungen nach oben aussen dominieren
– ernährt alle warm-trockenen Gewebe

Physiologische Gelbe Galle ist bei allen Umwandlungsfunktionen des Organismus als Triebfeder beteiligt, findet sich verstärkt bei allen organisierenden und umorganisierenden Körperfunktionen oder Körperstrukturen die solches einleiten wie zum Beispiel Enzyme, Hormone, Immunsystem, Sympathikus usw.

Schwarze Galle (= Melanchole); trocken und kalt (Zuerst ist die ausscheidende Stoff; zweit ist das ausscheidende Organ)
– Entspricht dem begrenzenden und strukturierenden Prinzip, das ein Ausufern der anderen Säfte und ihrer Qualitäten verhindert
– bringt Prozesse zu Ende und ist für die Ausscheidung der dabei entstehenden Abfallprodukte zuständig.
– trennt Brauchbares von Unbrauchbarem
– hemmt Metabolismus und Wärmebildung
– mindert die Erregbarkeit des Gewebes
– Bewegungen nach innen und nach unten dominieren
– ernährt alle trocken-kalten Gewebe

Physiologische Schwarze Galle ist bei allen abgrenzenden, (z.B. Haut, Kompartimentsbildungen), wenig durchbluteten (z.B. Zähne, Knochen, Sehnen) und ausscheidenden (z.B. Darm, Nieren) Körperteilen sowie Ausscheidungsprodukten (z.B. Kot, Urin, Schweiss, Tränen) zugegen.

Funktion der 4 Kardinalorgane
Für das Blut ist das Herz die Quelle, für den Schleim das Gehirn, für die gelbe Galle die Leber, für die schwarze Galle die Milz.

Funktion: • Regulieren Quantität und Qualität der ihnen zugehörigen Kardinalsäfte, sie sind somit die „Ausgleichsgefässe» der ihnen zugeordneten Säfte.

7.6 Gesundheits- und Krankheitsverständnis innerhalb der Humoralmedizin.

Der Humoralmedizin liegt als primäre Grundlage einer physiologischen und pathophysiologischen Erkenntnisursache die flüssigen Körperbestandteile (= Fluidas/Humores) zu Grunde.

Die festen Körperbestandteile (= Solidas) spielen hierbei eine sekundäre Rolle und wurden erst später in dieses System integriert, ohne jedoch dem Konzept der Vier-Säftelehre jemals an der erste Stelle streitig gemacht zu haben.

Die richtige Mischung der Säfte (sowohl quantitativer wie auch qualitativer Art) bewirkt Gesundheit und wird Eukrasie (= schöne/gute Mischung) genannt.

Die falsche Mischung (sowohl quantitativer wie auch qualitiver Art) bewirkt Krankheit und wird Dyskrasie (= schlechte Mischung) genannt.

Zur Vorbeugung und Behandlung von Dyskrasien (= schlechte, falsche Säftemischung) gilt es gemäss der Humoralmedizin eine Lebensweise (= Diäthetik; von griegisch diaita) zu führen die in Harmonie mit den Naturrhythmen steht und alle Lebenstätigkeiten massvoll auszuüben.

Zur Behandlung von Dyskrasien werden ebenfalls unterschiedliche Techniken angewendet, die als innere und äussere Ab- und Ausleitungsverfahren dazu dienen überschüssige oder verdorbene Säfte zu eliminieren.

Nebst den ab- und ausleitenden Techniken werden auch roborierende tonisierende) Massnahmen getroffen, um Säfte, die sich im Defizit befinden zu stärken.

Das Prinzip der Gegensätzlichkeit (Contraria-Prinzip)
Die Dyskrasie wird grundsätzlich nach dem Gegensätzlichkeitsprinzip behandelt. Das heisst: Eine kühle Dyskrasie verlangt nach erwärmenden Massnahmen, eine trockene Dyskrasie verlangt nach befeuchtenden Massnahmen und so weiter.

8. Die Krisenlehre

8.1 Bestimmung der Säfteverhältniss

Eukrasie • Mass halten

Dyskrasie • Masslosigkeit
Kokochymie • fehlende Reinheit und Qualität der Säfte

Krisenlehre

• Apepsis, die Rohheit (die schädlichen Säfte sind

noch unverarbeitet).

• Pepsis, die Kochung oder Reifung (die

schädlichen Stoffe werden allmählich

unschädlich gemacht)

• Krisis, die Ausscheidung (die schädlichen

Stoffe werden ausgeschieden).


In der Humoralmedizin wird der Heilungsprozess in 3 grundsätzlichen Phasen eingeteilt bei der es darum geht, dass der Organismus einen pathologischen Einfluss erkennt, verarbeitet und ausscheidet. Dadurch harmonisiert sich eine Dyskrasie wieder zur Eukrasie.

1. Phase (= Crudität); Eine Krankheitsursache ruft eine qualitative und quantitative Veränderung eines oder mehrerer Säfte hervor. Der pathologische Saft ist «Re» und «schärf» noch nicht «gekocht›; dabei spricht man von einem Stadium der Apepsie (Nicht gekocht sein). Um das Gleichgewicht wiederherzustellen, muss der «verdorbene Saft» aus dem Körper vertrieben oder ab-/ausgeleitet werden.

2. Phase (= Coctio); Zu diesem Zweck mobilisiert der Organismus seine Abwehrkräfte. Diese Reaktion geht mit Fieber (Feuer) einher. Jetzt kann der pathologische Saft durch Pepsis (Kochung) «reif› und unschädlich gemacht und damit die Ab- Ausleitung vorbereitet werden. Der Vorgang der Kochung wird durch das oder die sogenannte Naturheilkraft bewirkt. Auf diese Weise entsteht z.B. Eiter aus Blut und erhält Urin einen rötlichen Satz.

3. Phase (= Crisis); Das dritte Stadium, die Krisis bringt, die Entscheidung , ob es:
1. zur vollkommenen Heilung,
2. zum Umschlag in ein chronisches Leiden oder
3. zum Tod kommt.
Von einer Krisis im engere Sinn spricht man, wenn die Ausscheidungen schnell und gründlich erfolgen; eine langsame, allmähliche Ausscheidung nennt man Lysis (Lösung). Bei zögernder oder mangelhafter Ausscheidung kommt es zu örtlichen Ablagerungen (Apostasen des krankmachenden oder in noch ungünstigeren Fällen zu Versetzungen (Metastasen); es ist dann eine erneute «Kochung» nötig, um die endgültige Ausscheidung zu bewirken, d.h. der Prozess beginnt wieder von vorne. Gelingt das Ausscheiden des Krankmachenden unvollkommen oder gar nicht, so wird die Krankheit chronisch beziehungsweise unheilbar.

9. Vier Säfte-Abundanzen

9.1 Phlegmatismus (kälte und Feuchtigkeit überwiegen)

Ursprung des Phlegmatismus 

Äussere Faktoren:
– Langanhaltende kühle und feuchte Umgebungseinflüsse mit mangelnder Möglichkeit zum warmen und trocknen.
– Winter (die Jahreszeit bei der es zu einem natürlichen Anstieg von Schleim im der Aufwärmung im Organismus kommt).

Innere Faktoren:
– Phlegmatisches Temperament begünstigt den Phlegmatismus.
– Zu schwaches Gehirn, das mit den normalen kalten Säften nicht fertig wird.
– Mangelnde Kochungskraft; es bleibt Ungekochtes (= Cruditäten) vorhanden, das sich ansammelt.
– Mangelnde Gelbe Galle / Pneumatisation vermehren kühle Säfte.
– Mangelnde Wärme des Blutes (durch kühlende Speisen/Genussmittel, mangelnde Bewegung, Drogen
– Mangelhafte Eliminationstätigkeit des Organismus (dadurch bleibt rohes Phlegma im Organismus liegen und häuft sich zunehmend an).
 – Untätigkeit (das Wärmeprinzip kann sich nicht vollständig entfalten).


Allgemeine Dynamik der Phlegmatischen-Dyskrasie

Phlegma ist gekennzeichnet durch die Primärqualitäten Kälte und Feuchtigkeit. Die Kälte lässt den Stoffwechsel und alle dynamischen Prozesse verlangsamen — alle Kältekrankheiten (z.B. Immunschwäche Stoffwechselschwäche Kreislaufschwäche usw.) werden daraus ableitbar sein. Ein Übermass an Feuchtigkeit lässt das Gewebe aufquellen und (mit der gleichzeitigen adstringierenen Kraft aus der Kälte) zu Stagnationen der Flüsse führen. Das Gewebe verliert an Spannkraft und das ganze System läuft in die Asthenie hinein; Sensibilität und Irritabilität sind vermindert. Es kommt zu einer ansteigenden Belastung der phlegmareichen und phlegmabewegenden sowie phlegmaausscheidenden Organe: Lymphstockungen, Schleimhautaffektionen, Hautmanifestationen. Typisches Gewebe sind die Schleimhäute, die bei übermässigem Phlegma, dieses auszuscheiden versuchen und damit zu den verschiedensten katarrhalischen Erkrankungen führt. Das Lymphsystem überwiegt mit nicht ausgereifter Lymphe, einer Folge der kältebedingten Kochungsschwäche die nun als rohe Materie Schärfen auf den Plan ruft und zu unterschiedlichen meist chronisch verlaufenden Erkrankungen führt wie beispielsweise der rheumatische Formenkreis und die Scrophulose darstellen. Schleim ist schwer und so fühlt sich der Homo Phlegmaticus auch oft, nämlich „schwer von Begriff», denn die „Kanäle» sind verstopft, sowohl organisch (z.B: Obstipation) wie auch geistig (z.B.: „wenn jemand auf der Leitung steht»).
Dieser Organismus gleicht einem Gemüsegarten an einem stark verregneten Sommer, wo die Drainagefunktion nicht mehr nachkommt: Fäulnis, Pilze» und› sonstige Parasiten machen sich breit.

Typische Frühsymptome
Beginnender Phlegmatismus manifestiert sich anfänglich sehr oft in einer Einbusse von Dynamik. die mit (allgemeinem oder auch nur lokalem) Schweregefühl einher geht. Darunter fällt zum Beispiel auch das sehr häufig auftretende Müdigkeitsgefühl nach den Mahlzeiten. Typischerweise wird eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Kälteeinflüssen beobachtet, auch die Extremitäten sind nur noch selten wirklich warm und der Rücken verträgt eine zusätzliche Bedeckung. Die Zunge oder genauer: der Zungenkörper zeigt durch seine Anschwellung und den daraus resultierenden Zahnmarken sehr genau den Grad des Phlegmatismus eines Menschen an. Diese Schwellung wird latent auch im Gewebe wahrnehmbar sein, ohne dass grad Ödeme zu diagnostizieren wären. Der Gewebetonus nimmt ab, es kommt zu Faltenbildung und die Venenwände (die von Natur aus schon wenig Tonus haben) beginnen sich zu erweitern.

Symptome des manifesten Phlegmatismus

Psyche
Introvertiertheit, Willensschwäche, Unentschlossenheit, Unselbständigkeit, Ängstlichkeit, ständige Müdigkeit.

Gehirntätigkeit/Neurologisches System
Hirntumore, parasympathikotone Reaktionslage. Verminderte Sensibilität und Irritabilität.

Schlaf/Träume
Lang und tief mit Träumen von Wasser, Schnee, und Untertauchen.

Herz-Kreislaufsystem
Tendenz zu Blutstauungen (das phlegmatisierte Blut verliert an Fliessfähigkeit). „Schleimschlag», Krampfadern, Anschwellungen, Ödemneigungen, Kreislaufschwäche, Hypotonie.

Nierensystem
Erhöhte Harnproduktion, Brennen beim Wasserlassen, Gefahr der Nierenverstopfung, Urin weiss und blass oder trüb mit viel Bodensatz.

Reproduktionssystem
Polyurie, Fluor albus, Myome, Prostatahypertrophie/-plasie,

Bewegungsapparat
Reduzierter motorischer Antrieb (träge, plumpe Bewegung, träge Saftfluss, Gelenkschwellungen, Muskelrheuma, Bindegewebsschwäche.

Magen-Darmtrakt Fader
Geschmack im Mund,  starke Speichelbildung, schleimig-scharfe Stühle, träge Magen-Darmmotorik, Polypen.

Haut
Grossporige, aufgedunsene Haut, blass bis bläulich, Juckreiz.

Immunsystem
Lymphatismus mit Neigung zu Wassereinlagerungen, torpide Entzündungen (hier fehlt das Feuer um die Entzündung zur Reifung/Kochung zu bringen)

Säftelehre

Exsudative Diathese = allergische Diathese, Lymphatische Hyperplasie, Schleimhauthypertrophie, Infektneigung, Mykosen, Neigung zu Tumorbildung und Krebs,. 

Respirationstrakt
Lungenverschleimung die zu einer verminderten Pneumaaufnahme führt (wiederum Minderung des aktiven Prinzipien).

Stoffwechselsystem
Rheumatismen durch Metastasen (= Verlegung) ungekochten Phlegmas.
Allgemeine Verschlackungstendenzen, Adipositas, kalter Schweiss.

Puls
Weich, anfangs voll, später klein (oftmals ist die Pulstaststelle schon kalt spürbar)

Schmerzqualität
Schmerzempfindung verzögert und reduziert; meist dumpfe Schmerzempfindung.

Therapie-Konzept

Der unphysiologische Schleim (kalt und feucht) muss zu allererst nicht weiter verstärkt werden; das heisst, dass eine Lebensführung und Ernährung die sich kühlend und befeuchtend auswirkt, vermieden oder reduziert werden soll. Dafür sollen Massnahmen ergriffen werden, die erwärmende, trocknende und Schleim bewegende und ausleitende Wirkung haben.

Diäthetische Empfehlungen

– Bewegung fördern
– Schwitzen fördern
– Langes schlafen vermeiden
– Ernährung mittels wärmenden und trocknenden Nahrungsmitteln, kühlende und befeuchtende Nahrungsmittel meiden/reduzieren.

Medikamentöse Empfehlungen
– wärmende und trocknende sowie Schleim bewegende und Schleim ausleitend Medikamente verwenden.

9.2 Cholerismus (Wärme und Trockenheit überwiegen)

Ursprung des Cholerismus

Äussere Faktoren:
– Langanhaltende warme Umgebungstemperaturen mit mangelnder Möglichkeit der Abkühlung.
– Sommer (die Jahreszeit bei der es zu einem natürlichen Anstieg der Gelben Galle im Organismus kommt)
– Rauhe, harte (Über-) Lebenskonditionen

Innere Faktoren:
– Cholerisches Temperament begünstigt den Cholerismus.
– Leberschwäche (Die Leber als Kardinalorgan der Gelben Galle ist erschöpft und kann die Gelbe Galle nicht mehr ausreichend weiterleiten. Die Gelbe Galle steigt dadurch kontinuierlich an.)
– Erhitzung des Blutes (durch erhitzende Speisen/Genussmittel, mangelnde Erholung, Drogen, Stress  )
 – Mangelhafte Eliminationstätigkeit des Organismus (dadurch bleibt die eliminationspflichtige Gelbe Galle unphysiologisch im Organismus bestehen und  häuft sich zunehmend an).
– Bei langanhaltend gestauten Säften die anfangen ,zu gären» und sich dann entzünden.
 – Jeder Kochungsprozess führt zu einem Anstieg der Xanthe Chole! Befinden sich also Cruditäten  (= ungekochte Materie diversesten Ursprungs) im Organismus, reagiert  der Körper mit einem Anstieg des Feuerprinzips um die störende Materie zu kochen und auszuleiten.

Allgemeine Dynamik der Cholerischen-Dyskrasie

Die Gelbe Galle als Vertreter des Feuerprinzips im Mikrokosmos Mensch steht ganz allgemein für Dynamik und regt alle Funktionen im Organismus an. Dadurch verbraucht es naturgemäss Substanz ohne sie auf unmittelbaren Weg zu ergänzen. Steigt die Gelbe Galle über das individuelle Mass ist der Betroffene sozusagen am „heisslaufen», sein Stoffwechsel ist überdreht und über kurz oder lang werden dessen nutritive Kräftereserven verbraucht.  Hitzezeichen wie z.B. erhöhte Körpertemperatur, Entzündungsneigung, Hyperkinetik,  Spasmus, innere und/oder äussere Rastlosigkeit, Tendenz zu aggressiven Handlungen werden bemerkbar sein. Der Tonus erhöht sich durch das zusammenziehen der Gewebefasern und führt zu Dyskinesien innerhalb der Hohlorgane. Sensibilität und Irritabilität sind insgesamt erhöht. Übermässige Reizaufnahme und Reizbeantwortung sind die Folge. Es dominieren die akuten und heissen Krankheiten die innerhalb kurzer Zeit zu einer Entscheidung (= Krisis) drängen. Die Gelbe Galle trocknet auch aus, es kommt dadurch zu mangelhaften Besäftung der Gewebe mit daraus resultierendem Elastizitätsverlust und Neigung zu Rupturen. Verbraucht/Verbrennt der „Homo cholericus» seine nutritiven Kräftereserven ohne sie wieder aufzubauen, kommt er in einen anderen galligen Zustand, nämlich den Zustand des Melancholismus, (siehe dort).

Typische Frühsymptome
Auf der körperlichen Ebene klagt der „Homo cholericus» anfänglich meist über Trockenheitsgefühle der Schleimhäute (meist Mund- und Zungenschleimhaut) und darüber einen bitteren Geschmack im Mund oder dem Gefühl ständig einen Geruch nach Verbranntem in Nase/Rachen zu haben. Ein neues Bedürfnis nach kühlen Nahrungsmitteln und starkes Durstgefühl kommt auf. Es kommt zu einer Erhöhung warmer Sekretionen, der Schweiss wird vermehrt und riecht auch schärfer, der Urin wird gelber und ein stechender Geruch begleitet ihn usw. Die Ausscheidungen erhalten etwas Brennendes, Reizendes. Unruhe macht sich in seinem Wesen breit. Aktivismus bestimmt nun seinen Alltag, Er ist ständig angespannt, angetrieben, findet keine Ruhe. Dieser Zustand kann auch im Verborgenen stattfinden, das heisst der „Homo cholericus» beherrscht sich nach aussen hin, so dass seine Umgebung evtl. nichts bemerkt.

Symptome des manifesten Cholerismus

Psyche
Unbeherrschtes, extrovertiertes Verhalten, häufig mit Tendenz zur Gewalt, auch gegenüber sich selbst; Ungeduld, Jähzorn. Rücksichtslosigkeit. Schlaflosigkeit


Neurologisches System
Sympathikotone Reaktionslage. Irritabilität und Sensibilität sind erhöht. Häufig Dyskinesien der verschiedensten Organe, Hyperästhesien, (rechtsseitige) Migräne, hochfrequenter Tinnitus.

Hormonsystem
Hyperthyreose, Thyreoitiden, alle Hypersekretionen der Drüsen.

Schlaf/Träume
Der Schlaf ist unruhig und flach, die Träume handeln von Krieg, Zorn und Ruhm. Häufig ist Zähneknirschen zu beobachten.

Respirationstrakt
Akute Bronchitiden mit gelb-grünlichem Sputum oder trockene Bronchitiden, akute Pneumonien, Asthma bronchiale, akute spastische Bronchitis

Herz-Kreislaufsystem
Neigung zu Hypertonie, tachykarde Herzrhythmusstörungen, Entzündungen der Herzwand und des Herzbeutels, Herzinfarkt. Gefässentzündungen und Gefässspasmen. Aktive  Kongestionen, Phlogeszenz.

Nierensystem
Akute Harnwegsinfekte, Azidose. Vermehrte Harnsäureproduktion. Urin ist gelb und scharf und zeigt nur wenig Bodensatz.

Reproduktionssystem
Dysmenorrhoe, Ejaculatio praecox Priapismus, stark erhöhter Geschlechtstrieb.

Bewegungsapparat
Akute Entzündungen, Spasmen des Bewegungsapparates, Gicht.

Verdauungssystem
Bitterer Geschmack im Mund. Akute Entzündungen in diesem Bereich (z.B: akute Ösophagitis, Gastritis; Enteritis, Pankreatitis, Hepatitis, Cholecystitis usw.), Gallengangsdyskinesie, Gallenkolik, Heftige Krämpfe; starke, explosionsartige Durchfälle; Galliges Erbrechen, Gallige  Durchfälle.

Haut
Haut blass (durch Engstellung der Gefässe) bis gelb-bräunlich; anfänglich heiss und trocken, später heiss und feucht da das Wasser durch die Hitze nach Aussen gedrängt wird. Der Schweiss ist dünn und heiss und hat eine reizende Qualität. Entzündliche Stellen an der Haut. Juckreiz ist häufig (durch Bildung galliger Schärfen)

Immunsystem
Allgemein erhöhte Entzündungsneigung (= Phlogeszenz), Hyperthermie, Septisches Fieber, hochakute allergische Prozesse.

Stoffwechselsystem
Erhöhter Stoffwechselumsatz Hitzewallungen

Puls
Schnell, gespannt

Schmerzqualität
Spitz, brennend scharf, pulsierend, stechend, HEFTIG, akut.


Therapie-Konzept

Die unphysiologische Gelbe Galle (warm und trocken) muss allererst nicht weiter verstärkt werden; das heisst, dass eine Lebensführung und Ernährung die sich erhitzend und austrocknend auswirkt, vermieden oder zumindest reduziert werden soll. Dafür sollen Massnahmen ergriffen werden, die kühlend befeuchtend und Gelbe Galle ausleitende Wirkung haben.

Diäthetische Empfehlungen
– Meditative Übungen, besinnliche Spaziergänge und Ruhezeiten sollen gepflegt werden
– ausreichender Schlaf
– vermeiden von Nerven aufreibenden Situationen
– Die Ernährung soll kühlender und befeuchtender Art sein, erhitzende und trocknende Ernährung soll gemieden/reduziert werden.

Medikamentöse Empfehlungen
– kühlende und befeuchtende sowie Gelbe Galle bewegende und ausleitende Medikamenten verwenden.

9.3 Melancholismus (Trockenheit und kälte uberwiegen)(Zunge zähe, trockenen Belag)
Ursprung des Melancholismus

Äussere Faktoren:
Nach gegangenem trocken-heissen Sommer (die Hitze hat Nach zu stärkeren Verbrennungsvorgängen geführt, die wiederum zu vermehrten Stoffwechselendabbauprodukten führten, nach dem Motto: je grösser ein Feuer ist umso mehr Asche (= Melanchole) fällt an.
– Herbst (die Jahreszeit bei der es zu einem natürlichen Anstieg der Schwarzen Galle im Organismus kommt) – Mangel an frischer Luft (Luft bringt Dynamik, fehlt diese, stagnieren die Säfte).
– Entwurzelung aus gewohnter Umgebung, Familie (Unsicherheit Ängste, Stress usw. führen zu einem Anstieg der Schwarzen Galle).

Innere Faktoren:
– Melancholisches Temperament begünstigt den Melancholismus.
– Milzschwäche  (Die Milz als Kardinalorgan der Schwarzen Galle ist erschöpft und kann die Schwarze Galle nicht mehr ausreichend anziehen und auch nicht mehr genügend weiterleiten. Die Schwarze Galle steigt dadurch kontinuierlich an.) ,
 – Langanhaltende, unausgeglichene intellektuelle Leistung (denken ist allgemein ein Verbrennungsprozess bei dem Asche = Schwarzgalle anfällt).
– Mangelhafte Kochung der eingenommene Nahrungsmittel.
– Erhitzung des Blutes (durch erhitzende Speisen/Genussmittel, mangelnde Erholung,  Drogen, Stress )
– Mangelhafte Eliminationsfähigkeit des Organismus (dadurch bleibt die Eliminationspflichtige Schwarze Galle unphysiologisch im Organismus bestehen und häuft sich zunehmend an).
– Bei langanhaltendem Cholerismus (es wird zu viel Phlegma u./o. Sanguis verbrannt dadurch erhöhter Ascheanstieg)
– Bei langanhaltend gestauten Phlegma das austrocknet, d.h. von kalt – feucht zu kalt – trocken wird.
– Plethora: In den betroffenen Gefässabschnitten stagniert das Blut und fängt an zu „faulen» und/oder zu verklumpen.
– Jede chronische Erkrankung führt zu einem Anstieg der Melanchole.

Allgemeine Dynamik der Melancholischen-Dyskrasie

Eine unphysiologische Zunahme der Schwarzgalle beeinträchtigt zunehmend die unterschiedlichen Säfte/Organfunktionen. Die kalte Qualität der Schwarzgalle behindert die dynamischen Prozesse im Organismus und \ – führt zu Stockungen/Stagnationen die sich verschiedentlich manifestieren können. Die trockene Qualität der Schwarzen Galle führt zu Verminderung, der nutritiven Säfte, begünstigt Verhärtungen und Verdichtungen und geht auf Kosten der Elastizität und der Anpassungsfähigkeit sowohl auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene. Sensibilität und Irritabilität nehmen insgesamt ab. Der Betroffene verträgt entweder keinerlei Reize mehr oder ist dagegen lethargisch, abgestumpft.
Es ist wie das berühmt-berüchtigte Sand im Getriebe, es stört überall und ist sehr schwierig wieder los zu werden. Auch hat es bedingt durch seine Schwere eine Bewegungstendenz nach unten. Sowohl im Psychischen kann es einen ,,runter drucken» als auch im Organischen wo es zu Hämorrhoiden, Varizen und Unterschenkelgeschwüren führen kann. Oft finden sich am Anfang einer melancholischen Abundanz schon „nach unten drängende» Körpersensationen.

Die pathologisch vermehrte Schwarze Galle greift ebenfalls die Gewebe an, nagt an ihnen und führt so zu korrosiven / ulzerösen / kariösen degenerativen Prozessen.
Übermass an Schwarzgalle stört die distributiven Funktionen des Blutes und vermindert so die Regeneration der Gewebe durch mangelhafte Versorgung von aktiven und nutritiven Säfteprinzipen.
Die Wärme zieht sich zunehmend aus der Peripherie zurück, der Stoffwechsel kommt immer stärker zum Erliegen, Kälte breitet sich aus. Durch die Minderung des Wärmeprozesses ist Desorganisation bis zum Chaos hin die Folge, die final zu Malignitäts-Erscheinungen führt.

Typisch ist die Neigung zu chronischen, schleichenden und progressiven Leiden.


Typische Frühsymptome

Durch den unphysiologischen Anstieg der Schwarzgalle verändern sich Reaktionsfähigkeit und Reaktionsart zunehmend.
Anfangs fällt der Homo melancholicus meist durch seine lebhaften, „spleenigen» Phantasien und oder durch das einnehmen “fixer Ideen und fixer Haltungen», Neigung zu Selbstgesprächen auf; alles Verhaltensweisen die an und für sich noch im Normbereich liegen. Es folgen zunehmende Introvertierung, ausgesprochene Nostalgiegefühle, unerklärliche Sehnsüchte, Weltschmerzgefühle, geistige und körperliche Müdigkeit, plagende Selbstzweifel, Neigung Rübeleien. 
Der Betroffene geht dann immer mehr in Traurigkeit/Schrulligkeit/Absonderlichkeit über. Auf der körperlichen Wahrnehmungsebene klagt der Homo melancholicus oft über Missempfindungen der Sinnesorgane wie z.B.: Brummen, Sausen im Ohr, trockene Augen, \ Geschmacks- und Geruchsveränderungen oder —Verlust, Hautparästhesien und allgemeine Sensibilitätsstörungen. Die Haut verfärbt sich ins dunkle, schmutzige; Haut/Schleimhäute werden trocken, nicht selten findet sich Juckreiz am ganzen Körper. Knirschen in den \ Gelenken, Obstipationsneigung, unerklärliches Unwohlsein mit Übelkeit, Druckgefühl im Oberbauch aber auch in anderen Organen; gelegentliche Schlafstörungen sind weitere Befindlichkeitsstörungen. Oft beklagen sie auch plötzlich auftretenden Haarausfall.


Symptome des manifesten Melancholismus:

Psyche
Mangelnde Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit; Introvertierung, Sprödigkeit, Schwermütigkeit, Zynismus, Misanthropie, ständige Unzufriedenheit, Manierismus, Hypochondrie,  chronische Müdigkeit, haftendes Denken, überwertige Ideen, Depressivität, \ manisch-depressive Zustände, mangelnde Urteilsfähigkeit, Rechthabertum, „Organgefühle» (gemeint sind psychovegetative Störungen), Selbstwertstörungen. Fehlerhafte Empfindung der eigenen Körperlichkeit. Unklare Vorstellungen vom eigenen körperlichen Zustand, spürt den eigenen Körper wenig bis gar nicht oder inadäquat. Klagt über Schmerzen mit gleichzeitigem Unvermögen einen Schmerz genau zu lokalisieren. Meist findet sich Angst und Trauer im Hintergrund.

Gehirntätigkeit/Neurologisches System
Gefühl eines schweren Kopfes, tiefliegende und glanzlose Augen; Assoziationsvermögen und Merk-, Gedächtnisleistung lässt nach. Es kommt zu geistigen ,,Kristallosen» d.h. Verhärtungen und Elastizitätsmangel nehmen zu. Neurologische Ausfälle treten auf die rein funktioneller Art sein können, aber sich auch ins Organische manifestieren wie z.B. bei der Multiplen Sklerose und verschiedenen Formen der Demenzen.
Hypo- und Hyperästhesien sind möglich, Parästhesien, Neuralgien, Migräne.

Schlaf/Träume
Der Schlaf ist unruhig mit Träumen von Rauch, Tod, Gräbern und schrecklichen Dingen. Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten sind häufig, genauso wie das Gefühl morgens nicht ausgeruht zu sein.

Respirationstrakt
Oft unrhythmische, gedrängte, verspannte Atmung mit Beklemmungsgefühlen im Brustbereich, öfters Seufzen. Auch das Gefühl nicht richtig ausatmen zu können; Lufthunger trotz ausreichender Lungenventilation. Chronischer Husten mit grünlichem, eiterartigem, dunklem, schwärzlichem, erdigem, zähen Auswurf. Lungenfibrose.

Herz-Kreislaufsystem
Neigung zu kalten Extremitäten, blassen Lippen, frostiges Wesen, Einschlafen der Glieder, Herzneurose, ängstliche Beobachtung der Herztätigkeit. Das Blut ist verdickt und mit Schlacken überladen, es hat die Tendenz zu stocken. Arteriosklerose und ihre Folgen, Angina Pectoris, psychovegetative Herz- Kreislaufbeschwerden, kalte Extremitäten, Hypotonie, Varikose, Lymphinsuffizienz,

Nierensystem
Urin ist dünn (Energiemangel bewirkt eine Eliminationsstörung der Schwarzen Galle) und weiss oder manchmal dick und schwärzlich. Nierensteine,  Blasensteine, Schrumpfniere, chronische Zystididen, chronische Niereninsuffizienz, Dystrophe Nierenanlage, „kalte Nieren», Blasensenkung.


Reproduktionssystem
Unterdrückter Menstruationsfluss, Östrogenmangel, Dysmenorrhoe, Hypomenorrhoe, dunkle, klumpige Menses, trockene Schleimhäute, Libidomangel, Impotenz, Frigidität, Sterilität, Uterussenkung.


Bewegungsapparat
Degenerative Erkrankungen sind hier häufig, rheumatische Beschwerden.

Magen-Darmtrakt
Unreines Mund, fader, bitterer, fauliger, saurer Geschmack im Mund, Aufstossen und Sodbrennen, öfters Bedürfnis ausspucken zu müssen, Schwäche der Verdauungsorgane (Kälte und Trockenheit lassen die Schleimhaut atrophieren und die Säfte eindicken). Obstipation oder kleine  wässrige, stinkende, unbefriedigende Stühle oder trockener harter, zäher, schwarzlicher abgerundeter Stuhlgang. Blähungen, Druckgefühle im Hypochondrium (Bauch), Reiz-darm. Magen-duodenalulcus, chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Leberzirrhose, Leberfibrose, Gallensteine, Karzinome des Magen-Darmtrakts.

Haut
Ist fleckig und neigt ins bräunlich-schwärzliche;  oft trockene Haut mit Hautunreinheiten, blasse Nägel oft klebrige, übelriechende Schweisse, Juckreiz, Brennen in den Händen und Fusssohlen, Psoriasis, chronische Ekzeme, Pruritus Hautmelanom, Hautkarzinome.

Immunsystem
Oft inadaquate Immunreaktionen, Immunschwäch, anerge oder hypererge Immunreaktionen sind möglich.


RespirationstraktÜbelriechender Atem Chronische, trockene Katarrhe, Schleimhautatrophie, chronische Sinusitiden, Asthma bronchiale, Atembeklemmungsgefühle, säuerlicher Auswurf.


Stoffwechselsystem
Meist inadäquat, träge, es kommt zu nicht ausreichender Elimination der Stoffwechselendabbauprodukten, die sich ansammeln und eine Neigung zum kristallisieren haben (Kristallosen, Lithosen). Übersäuerung, Gicht, hartnäckiger Rheumatismus.

Puls
Hart, klein, langsam, unregelmässig.

Schmerzcharakter
Ziehend, ätzend, mit drängender Qualität, mit nach unten ziehender Qualität, oft auch latent oder wiederkehrender Art.

Therapie-Konzept

Die unphysiologische Schwarze Galle (trocken und kalt) muss allererst nicht weiter verstärkt werden; das heisst, dass eine Lebensführung und Ernährung die sich trocknend und kühlend auswirkt, vermieden oder zumindest reduziert werden soll. Hingegen sollen Massnahmen ergriffen werden, die erwärmende, befeuchtende und ausleitende Wirkung auf den Organismus ausüben.

Diäthetische Empfehlungen
– Bewegung fördern
– Schwitzen fördern
– ausreichend schlafen
– Ernährung mittels befeuchtenden und wärmenden Nahrungsmitteln; trocknende und kühlende Nahrungsmittel meiden/reduzieren. Ebenfalls Speisen wählen die leicht verdaulich und nicht obstipierend sind.

Medikamentöse Empfehlungen
– befeuchtende und wärmende sowie Schwarze Galle bewegende und Schwarze Galle ausleitende Medikamente verwenden.

9.4 Sanguinismus

Ursprung des Sanguinismus

9.4.1 Störungen des Blutflusses

Das Blut muss beweglich sein, damit es bewegt werden kann! Beweglich wird es durch das feuchte Prinzip und bewegt wird es durch das Wärmeprinzip! Der Blutfluss kann vermindert oder verstärkt sein.

Der Blutfluss kann aus unterschiedlichen Gründen vermindert sein:
• Durch eine Einbusse der Eigenschaften feucht und warm Richtung trocken und kalt.
• Durch eine echte oder relative Plethora

Der Blutfluss kann erhöht sein durch
• Einen Anstieg an Wärme-Eigenschaften
• Durch eine (aktive) Kongestion (aktiver Blutandrang)

Störungen der Blutbildung

Die Blutbildung ist Ausdruck der Kochung (genauer: der ersten zwei Kochungen) und verlangt nebst ausreichendem (sowohl in Qualität wie auch Quantität) Nahrungsangebot (bestehend aus Luft, Wasser, Speise) eine intakte Funktion des Magens (1.Kochung) und der Leber (2. Kochung).

9.4.2 Die Plethora
Als allgemeine Indikation für Blutentziehungsmassnahmen wie Aderlass, Blutegel, blutiges Schröpfen, galt zu allen Zeiten die sogenannte Plethora, eine krankheitsauslösende Überfülle gesunden Blutes bzw. aller vier Säfte, die in einer wohlausgewogenen Mischung vorliegen.

Die Plethora wird unterschieden in:

Absolute Plethora (= Alles voll)

Hierbei ist das Fassungsvermögen der Gefässe überschritten. Diese werden ausgedehnt und drohen zu reissen. Nasenbluten und Hämorrhoidalblutungen sind häufig. Gefahr der Hirnblutung und Thromboseembolien ist erhöht.

Relative Plethora (=der Rückfluss ist gestört)
Hierbei besteht keine eigentliche, manifeste Quantitätsvermehrung des Blutes, sondern nur ein Missverhältnis zwischen dem Blut und den Kräften des Körpers, die das an sich in normalen Mengen vorliegende Blut nicht ausreichend bewegen können.

Phänomenologische Beschreibung der absoluten Plethora

Körperliche Auffälligkeiten
• Rote oder rot-weiss gemischte Haut-, insbesondere Gesichtsfarbe (wenn nicht etwa durch Hitze, Scham oder Zorn bedingt), warm anzufühlen.
Kompakter, fleischiger (nicht fett oder aufgequollen), fester Körper.
Gleichmässige Schwellung, deutliches Hervortreten aller Venen oder wenigstens die rasche Weitung bei Wärme oder körperlicher Anstrengung. Die Schwellung kann mit einem Schmerzgefühl einhergehen oder mit einer spannenden Mattigkeit. Gerötete Augenvenen.
Schweregefühl in den Gliedmassen und mühsamer Bewegungen, z.B. beim Schliessen der Hand zur Faust. Bei stärkerer Ausprägung erfasst Trägheit den ganzen Körper.
Der Puls ist stark gross und voll und auch an den Schläfen, Fingern und anderen Stellen sichtbar.
Der Urin reichlich und von normaler Beschaffenheit.
Die Atmung ist etwas beschwert und beschleunigt, besonders unter Belastung, z.B. beim Laufen oder Treppensteigen.
Bei geringfügigen Anlässen Neigung zu Schweissausbrüchen (nicht streng riechend).
Guter Appetit und gute Speisenverträglichkeit.
Neigungen zu Entzündungen und Fieber, Schwindel, Kopfschmerz und Quetschung im Kopf.

Psychisch

• Heiter, ruhig, aber auch aufbrausend, libidinös.
Tiefer Schlaf und Träume von schweren Gewichten und roten Dingen, z.B. Blutvergiessen oder Feuer, sich nicht von der Stelle bewegen können, Sturz von hohen Orten.

Risikofaktoren
• Üppige Lebensweise mit reichlicher Nahrungszufuhr, insbesondere von Alkohol und Fleisch
• Sitzende Lebensweise, vor allem aber die Vernachlässigung gewohnter körperlicher Betätigung.
• Aussetzen oder Verringerung gewohnter Ausscheidungen z.B. von Hämorrhoiden, Menstruation, Nasenbluten.
• Kalt-feuchte Umgebung, mildes Wetter, insbesondere Frühling und Herbst.
• Abstammung von Eltern mit plethorischer Konstitution.

Plethora abdominalis

Die Plethora abdominalis ist gekennzeichnet durch folgende Symptome gekennzeichnet:
• Völlegefühl aufgetriebener Bauch, mit oder ohne Fettbauch, Spannungen im Unterleib Flatulenz.
• Pulsationen in der Magengegend die Synchron mit dem Radialispuls einhergehen und nicht von einem Aneurysma her stammen.
• Empfindlichkeit des Unterleibs, insbesondere der Magengegend auf Druck von aussen (z.B. beengende Kleidung, Tastung).
• Oft vergrössert tastbare Leber und Milz (Palpation erfolgt bei angezogenen Schenkeln und entspannter Bauchdecke).
• zuweilen flüchtige Stiche im Unterleib (sogenanntes Milzstechen) besonders nach den Mahlzeiten, nach starker Körper- und Gemütsbewegung.
• Ungleiche Blutverteilung: oft kalte Glieder, heisses Gesicht.
• Hämorrhoiden
• Verdriessliche Stimmungslage

Die Plethora kann Krankheiten jeglicher Art hervorrufen!!

9.4.3 Die Kongestion (Blutandrang = aktive Kongestion)
Bei der Kongestion handelt es sich ebenfalls um eine Überfüllung an Blut in einem Organ/Körperteil. Dabei spielt aber die aktive Seite eine wichtige Rolle, das heisst es wird Blut aktiv in ein Gebiet gedrängt. Die aktive Seite des Sanguis ist somit erhöht. Es besteht dabei die Gefahr der Gefässruptur und ihrer Folgen.

9.4.4 Plethora und Kongestion im Vergleich
Beide Formen haben die Blutfülle gemeinsam, Bei der Plethor vera (echte Fülle = aktive Kongestion) ist das gesamte Blutvolumen erhöht, bei der relativen Plethora (passive Kongestion) ist die bewegende Kraft bei normaler Blutmenge nicht ausreichend, bei der Kongestion die relativ unabhängig von der Blutmenge ist, ist die aktive Seite erhöht.
Die relative Plethora (auch passive Kongestion genannt) ist gewissermassen ein asthenisches Problem des Sanguisprinzips und betrifft vor allem die venöse Seite des Kreislaufsystems. Die Kongestion (auch aktive Kongestion genannt) dahingegen ist ein hypersthenisches Problem des Sanguisprinzips und betrifft vor allem die arterielle Seite des Kreislaufs.

Passive und aktive Kongestion können über ableitende/umleitende/ausleitende Massnahmen am Blutsystem gleichermassen beeinflusst werden. Wichtig aber ist zu erkennen, dass bei der passiven Kongestion das Blutsystem tonisiert werden muss und bei der aktiven Kongestion das Blutsystem detonisiert werden muss. Zur Tonisierung werden Venentonikas wie beispielsweise Schafgarbe Rosskastanie eingesetzt. Zur Detonisierung werden Gefässwand weitende Mittel wie beispielsweise Magnesium, Weissdorn eingesetzt.

Ebenfalls liegt bei der passiven Kongestion sehr oft eine, Überladung des Blutes mit Phlegma vor, bei der aktiven Kongestion ein Übermass an Chole (Gelbe Galle). Entsprechend wird man Phlegma oder Chole ausleitende Massnahmen ergreifen.

10 Säftemodulationen

Phlegma
Kälte:

Phlegma verdichtet sich zu gelatinösen Phlegma bis zu Kristallbildung was dann de facto einer Melanchole entspricht

Feuchtigkeit:

Es entsteht immer mehr helles (=strukturloses) Phlegma, das dünn ist und in den Geweben liegen bleibt (Ödeme).

Wärme:

Erhitztes Phlegma ist zuerst Feuchte Hitze. Ist die Hitze langanhaltender, entsteht zunehmend eingedicktes, zähes bis gelatinöses Phlegma das im Endzustand zu Melanchole wird.

Trockenheit:

Phlegma wird zäh und verhärtet bis es der Melanchole entspricht.

Sanguis

Kälte

Das Blut wird phlegmatischer, die Verteilungsfunktion nimmt ab, es kommt zu vermehrter Stagnationsbildung.


Feuchtigkeit:
Der Cruor Sanguis nimmt ab, Sanguis wird asthenisch. Oder Verschleimung des Blutes.


Wärme
Erhitztes Sanguis wird leicht und aufschäumend, es entsteht vermehrte Gelbe Galle, der nutritive Aspekt wird vermindert.

Trockenheit
Dynamik und Nutrition nehmen ab, Verdichtung und Stagnations-bereitschaft nehmen zu.

Chole
Kälte:

Es entsteht Melanchole.

Feuchtigkeit:
Es entsteht cholerisch verunreinigtes Phlegma (Feuchte Hitze)

Wärme:
Sehr heisse, aggressive Chole die sich schnell verbraucht und zu Melanchole wird.


Trockenheit
Extrem heisse Chole mit schnellem Verbrauch nutritiver Qualitäten. Wandelt sich rasch in Melanchole.

Melanchole
Kälte:

Verdichtung nimmt zu, Dynamik nimmt ab.

Feuchtigkeit:
Es entsteht melancholisch verunreinigtes Phlegma.

Wärme:
Erhitzte Melanchole steigt auf, verlegt sich in das Gehirn und ist der bösartigste Saft überhaupt.

Trockenheit:
Jegliche Vitalität schwindet, es entsteht sandförmige Melanchole.

Ende Quelle: „Humoralmedizin“ Hutter L.

Quelle: Raimann Christian et al „Grundlagen der traditionellen Europäischen Naturheilkunde“ S.189-190

Interaktion

Wärme und Feuchtigkeit treten niemals als Einzelelemente in der Erscheinung, sondern immer in Kombination miteinander, allerdings in kurz-, mittel-, und langfristige variablen Gewichtungen («Graden»). Und sie stehen in ständiger Wechselseitige Interaktion.

Das heisst, das Wärmeprinzip beeinflusst das Feuchtigkeitsprinzip — und umgekehrt. (Parallelen zum Yin – Yang-Prinzip-Prinzip der TCM sind hierbei sehr offensichtlich.) Das Bild einer brennenden Kerze verdeutlicht symbolhaft die Wechselbeziehung zwischen Wärme und Feuchtigkeit: Das Wachs als Speicherform der Energie entspricht dabei der Feuchtigkeit. Das Licht und die Wärme repräsentieren die Aktivform der Energie. Ein Aktivenergie muss aber durch Schmelzen des Wachses am Docht die Speicher-energie verfügbar machen, was den Assimilationsprozess der Nahrung symbolisiert, der im Folgenden besprochen wird. Das «Kerzenmodell» ist aber nicht vollständig ohne die lintegration der Spirituslehre. Darin repräsentiert die Flamme die Spiritus bzw. Pneuma. Mehr dazu in einem späteren Abschnitt.

In diesem Erklärungsmodell ist der ständige Einfluss der Flamme (Spiritus) als Mittler zwischen «Wärme» und «Speicherenergie» die Voraussetzung, das System «brennende Kerze» in Aktion zu halten.

Bild: Raimann Christian et al: Grundlagen der Traditionellen Naturheilkunde S. 189

Die Qualitäten «Kälte» und «Trockenheit» sind in der Regel als Polarität von Wärme und Feuchtigkeit zu verstehen. Das heisst konkret: Kälte ist ein Defizit an Wärme; Trockenheit ein Defizit an Feuchtigkeit.

– Kälte und Trockenheit können aber, vor allem als klimatische Störfaktoren, auch eigen-ständige Qualitäten mit pathogenem Potential darstellen.

– Die Intensität («Grad») und das Verhältnis zwischen Wärmeprinzip und Feuchtigkeits-Prinzip reguliert die Aktivität und die Kontinuität sämtlicher Lebensprozesse. Die individuelle humorale «Langzeitsituation» prägt sowohl das Temperament als auch die konstitutionellen Reaktionsmuster des jeweiligen Menschen.

– Die humorale «Kurzzeitsituation» hingegen prägt die Symptomatik und, den Verlauf, aktuellen Funktionsstörungen und Krankheiten.

– Zudem wird zwischen «physiologischer» und «pathologischer» Wärme und Feuchtigkeit unterschieden, wobei die pathologischen Zustände durch verschiedene, aggressive Wirkprinzipien («Schärfen») verursacht werden, die zu pathologischer Modifikation der Humores führen.

Zusammenfassung

Physiologische Bedeutung des Wärmeprinzips:

– aktuell wirksame Energie

– Information (nicht-materielles Prinzip)

– Voraussetzung für Dynamik und Bewegung

– Voraussetzung für die Initiierung und Durchführung der physiologischen Funktionen jedes Gewebes

– Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit an variable exogene und endogene Bedingungen und Reize (psychisch und physisch) – Voraussetzung für Assimilationsprozesse (v.a. Coctio)

– Körperwärme (physikalisch)

– ist Teilaspekt der «Lebenskraft» (nach Hufeland / Hahnemann)

– steht auch für positive Gefühle («Herzenswärme»)

Physiologische Bedeutung des Feuchtigkeitsprinzips:

Speicherform der Energie, «potentielle» Energie

– Mass der Energiereserve Voraussetzung für jede organische Struktur oder Materie

– Basis der Körperflüssigkeiten

– Voraussetzung für die Beflutung der Gewebe
Ende Quelle

Im Ende gebe ich noch mal in die Säfte spezifische Erkrankungen auch Temperament spezifische Krankheitsneigungen an;

– Phlegmatiker: Lymphsystem, Drüsensystem, Schleimhäuten

– Sanguiniker: Blutsystem und das Nervens-Sinnessystem

– Choleriker: Herz-Kreislaufsystem, Leber-Gallensystem

– Melancholiker: Skelett, Haut, Psyche, Milz